Herzfrequenz im Vergleich: Suunto HR Pulsgurt gegen Suunto Spartan Sport WHR (Baro)

Optische Herzfrequenzmessung wird immer beliebter; am Komfort dieser Technologie gibt es einfach kein Vorbeikommen mehr.

Jedes nicht ganz billige Garmin-Fitness- oder Sport-Wearable, fast alle neuen Suunto-Uhren, oHR (optical heart rate) ist allerorts.

Wie schon im Blick auf optische Herzfrequenzmessung auf der Garmin fenix 5X zu sehen war, ist oHR in der Verwendung aber mit Vorsicht zu geniessen.
Die Resultate davon sind besser, für ein klein wenig Trainingsgestaltung, als gar keine Herzfrequenz, aber nicht gerade gut für wirkliche Analyse.

Nach dem Blick auf Garmins Elevate-Sensor im Vergleich zu einem (Suunto) Pulsgurt ist es Zeit für einen genaueren Blick darauf, wie gut Suunto mit deren „Wrist Heart Rate“ per Valencell-Sensor funktioniert.

Als Uhr konnte ich dafür eine Suunto Spartan Sport WHR Baro verwenden (die ich zum Betatesten von neuer Firmware für Suunto erhalten habe); die Daten sind also von ebendieser.

Suunto Spartan Sport WHR Baro – Wrist Heart Rate

Der „Grosse“ Vergleich vom 1. Oktober

Den Blick auf das oHR auf der Garmin fenix 5X hatten wir mit diesem Vergleich der Werte vom 1. Oktober, wo neben einer Ambit3 Peak (mit Pulsmessung per Pulsgurt um die Brust) auch schon die Spartan Sport WHR Baro dabei gewesen war, beendet.

Wie schon besprochen, gibt es hier einige Bereiche, wo die Sport WHR Resultate lieferte, die näher an jenen das Pulsgurts liegen als jene der fenix 5X – aber auch das Gegenteil.

Die Dinge werden mit weiteren Vergleichen (bei denen ich die, von Garmin geliehene, fenix 5X nicht mehr hatte, „nur“ die Suunto Spartan Ultra und Sport WHR Baro, falls es interessiert) erst wirklich interessant…

26. November, Rad-Lauf-Rad

Ende November, es ist kalt geworden, ich bin mal wieder in die Dunkelheit hinaus. oHR ist etwas verrückt:

Das ist jetzt kein untypisches Ergebnis, das oHR beim Warm-up Probleme haben sollte, aber doch ein beispielhaftes Problem.

oHR ist recht seltsam, was das angeht. Es ist gut für 24/7-Überwachung der Herzfrequenz (obwohl man da wohl meistens nicht gerade „gut aufgewärmt“ wäre), aber nicht so gut während einer tatsächlichen Aufwärmphase im Sport.

Während des Laufs wurden die Dinge schon besser, aber noch immer nicht so gut, wie man das gerne sehen würde…

… und so ging das auch am Weg zurück, wieder auf dem Fahrrad, weiter: Viel besser als beim Warm-up, aber immer noch mit ein paar Ausreissern.

Mehr als solche wenigen Eindrücke sollte man aber doch haben, bevor man wirklich zu sagen versucht, ob oHR sinnvoll funktioniert oder nicht…

November 28, Trail Running

Zwei Tage später, und ich wurde wesentlich besser aufgewärmt… und war wesentlich länger unterwegs:

Wie sieht das aus?

Schon genug Ähnlichkeit, beim qualitativen Überblick, um das oHR jedenfalls nicht sinnlos erscheinen zu lassen (genauso, wie auch schon mit der Garmin fenix 5X gesehen). Gleichzeitig aber doch immer noch genug Ausreisser in den Werten, die nicht da sein sollten.

Es ist es umso mehr wert, einen Blick auf die Durchschnitts- und HR-Zonen-Werte zu werfen:

Die Suunto Spartan Ultra, natürlich mit Pulsgurt verbunden, hat hier zwischen 90 und 182 Puls, durchschnittlich 153, gemessen.

HR Zonen

  • Easy: 0:38’21
  • Moderate: 1:03’20
  • Hard: 1:13’12
  • Very hard: 2:03’07
  • Maximal: 0:09’24

EPOC Peak: 84 ml/kg

Die Suunto Spartan Sport WHR Baro wiederum nahm zwischen 88 und 201 Schläge pro Minute (okay am niedrigen Ende, ein ziemlicher Ausreisser am oberen Ende) und einen Durchschnittspuls von 151 Schlägen aufgenommen. Nur 2 Herzschläge Unterschied im Durchschnitt ist nicht gerade schlecht.

Ähnliche Resultate zeigen auch die anderen Werte:

HR Zonen

  • Easy: 0:51’21
  • Moderate: 1:00’19
  • Hard: 1:09’37
  • Very hard: 1:49’21
  • Maximal: 0:16’46

EPOC Peak: 85 ml/kg

Die qualitative Passung zwischen den Daten – dass es ganz so aussieht, als wären diese nicht komplett unterschiedlich – wird nicht nur von diesen Ähnlichkeiten unterstützt; der Korrelationskoeffizient für die zwei Datenreihen ist immerhin 0,9, zeigt also auch eine starke Korrelation.

[Die Höhenmessungen von Spartan Ultra und WHR Baro allerdings ergeben einen Korrelationskoeffizienten von 0,99 😉 ]

Zurück durch den November

So ähnlich sah das alles auch auf weiteren Läufen aus…

22. November

20. November

15. November

9. November

Interpretation?

Die Vergleiche oben sind auch wieder interessant.

Manchmal tendiert die WHR-Messung offensichtlich zu höheren Werten als der Pulsgurt, manchmal zu niedrigeren.
Manche Extremwerte sind definitiv nicht in Ordnung, öfter als bei der Messung mit dem Pulsgurt (wo allerdings auch falsche „Spitzen“werte vorkommen.

Durchschnittswerte sind wieder gar nicht so schlecht; ich muss auch sagen, dass die Herzfrequenz, die ich beim Blick auf die Uhren während meiner Läufe gesehen habe, nicht so schlecht aussah.

Eines, was man hier wohl bedenken sollte: der wahrscheinliche Effekt des Wetters.

oHR unter dem Wetter

Wir denken, dass moderne Technologie, basierend auf aktueller Wissenschaft, richtige Resultate liefern müsste, egal was. GPS ist schliesslich Weltraumtechnologie…

So ganz stimmt das nur dummerweise nicht, gerade bei oHR.

Es ist durchaus eine interessante Technologie. Licht auf die Haut scheinen, um Blutfluss darunter zu erkennen und damit den Puls zu messen? Schon beeindruckend.

Man muss sich die Sache aber nur einmal durchdenken:

Wie viel Blut wird in die Hände gepumpt? Wie gut ist das für die LEDs sichtbar? Sind die Adern erweitert oder verengt? Ist das jetzt wegen Anstrengung oder Kälte? Wie interagieren diese zwei Faktoren? Was für einen Unterschied macht es, wenn Muskeln angespannt werden? Wenn Licht von der Seite der Uhr zu den Sensoren kommt?

Gar nicht erst zu sprechen von stärker pigmentierter Haut (auf dieses Thema wurde einiges an Forschung eingebracht, soweit ich weiss), geschweige denn Tätowierungen…

Ich sollte wohl noch dazu erwähnen, dass ich die Sport WHR Baro da trage, recht weit unten am Handgelenk, wo ich jegliche Uhr trage.

Die ideale Position für die oHR-basierte Pulsmessung ist eigentlich weiter oben am Arm, aber dort würde eine Uhr an mir eher nicht bleiben, so wie meine Arme geformt sind. Und würde sie sich von oben nach unten/aussen bewegen, dann wäre sie danach so locker, dass die oHR-Messung nur noch Licht rundum und das Schwingen der Uhr erfassen würde.

Der wahrscheinlich wesentliche Faktor in den obigen Daten vom November ist wohl das immer kälter werdende Wetter. Das ist nicht so schlecht zu sehen, wenn wir noch einmal zu Vergleichswerten von etwas früher zurück gehen…

15. Oktober, ein Lauf in wärmerem Wetter

Das war ein netter kleiner Trail Run, aufgezeichnet mit einer Ambit3 Peak und dem Pulsgurt sowie einer Spartan Sport WHR Baro – Mitte Oktober, in wärmerem Wetter.

Natürlich gab es hier immer noch Unterschiede zwischen den zwei Pulsmessungen, aber sie sind doch weniger schlecht als jene in den Aufzeichnungen im November – und wieder ziemlich ähnlich den Werten in dem „grossen“ Vergleich von Anfang Oktober, der am Anfang dieses Eintrags zu sehen ist.

[Interessanterweise ist der Korrelationskoeffizient für die zwei HR-Datensätze hier 0,91, also nur ein wenig höher als bei den Daten vom 28. November. Die Korrelation zwischen den HR-Aufzeichnungen ist immer noch eine sehr starke, aber betrachtet man nur die Kurven derselben, dann hätte man denken können, dass die Daten diesmal wesentlich besser gewesen wären.]

Fazit

Mein Fazit zur Suunto Wrist Heart Rate mit Valencell-Sensor ist dasselbe, wie zuvor schon für Garmin und deren Elevate oHR:

Die Daten sind gut genug, um sich davon ein wenig leiten zu lassen und dabei bequemerweise ohne Pulsgurt auszukommen.

Für jegliche Art physiologischer Analyse, die exakte Daten braucht, ist oHR allerdings nicht empfehlenswert.

Die Durchschnittswerte scheinen im Allgemeinen richtig; eine schnelle Pulskontrolle ist, sobald man aufgewärmt ist, meist auch ganz okay, aber ein Training, bei dem man in bestimmten Pulsbereichen bleiben will, das sollte man besser mit einem Pulsgurt machen.

To oHR or not to oHR?

Soll ich das ganze Thema für eine Entscheidung zwischen Suunto Spartan Ultra und Sport WHR Baro, welche sich nur in grösserer Batterie bzw. oHR unterscheiden, überlegen… dann weiss ich nicht so recht.

Den Hinweis auf generellen Gesundheitszustand, den man vom Durchschnittspuls im Schlaf bzw. durch Rund-um-die-Uhr-Pulsmessung erhalten kann, finde ich ziemlich ansprechend, und eine Sport WHR Baro lässt sich für genauere Daten immer noch mit einem Pulsgurt kombinieren, wenn man diese braucht. Und wenn nicht, dann wird Wrist Heart Rate wohl ausreichen.

Andererseits aber, will man Herzfrequenz-basiertes Training oder einfach seinen Laufsport ernsthaft betreiben, hätte ich lieber kein oHR weil ich entweder exakte Daten haben will oder gleich auf Pulsmessung verzichten kann. Da würde ich schon lieber ‚frei‘ laufen, nach Gefühl, und dafür die grössere Batterie der Spartan Ultra haben.

Suunto oder Garmin?

Grössere Batterie und oHR könnte man allem Anschein nach von der Garmin fenix 5(X) haben. Diese ist allerdings wiederum schwerer (was oHR-Messung auch wieder verschlechtert) und ist einfach eine wieder andere Uhr.

Wenn ich mir überlege, nicht sonderlich auf die Herzfrequenzanzeige auf einer Spartan (welcher Art auch immer) zu sehen, dann brauche ich die etwas eindringliche „Hilfestellung“ von Garmin ganz sicher nicht. Für solche Hilfe und Smartwatch-Funktionen wäre eine fenix allerdings interessant.

Die angebliche Leistung einer Sportuhr, was die Akkuratheit ihrer Daten angeht, „gemessen“ von einer einzelnen dieser Uhren unter wenig kontrollierten Bedingungen – darauf jedenfalls würde ich eine Kaufentscheidung nicht begründen. Dafür ist es schon besser, man sieht sich das Gesamtpaket an und entscheidet sich anhand dessen, wie sich ein Gerät bei der tatsächlichen Nutzung für sich selbst anfühlt.

2 Gedanken zu „Herzfrequenz im Vergleich: Suunto HR Pulsgurt gegen Suunto Spartan Sport WHR (Baro)&8220;

  1. Hi Gerald,

    danke für den wirklich guten Vergleich. Bei meinen kleinen Tests sind die Unterschiede eigentlich nie so dramatisch gewesen, wie ich sie hier bei Dir sehe. Da bin ich ja fast froh, dass ich mein Training nicht nach Herzfrequenz steuere, sondern den Puls nur als Kontrollwert benutze. Dafür scheint die optische Messung ja gut genug zu sein.

    Den Scosche Rhytmn und den Polar OH1 kann man ja auch am Oberarm tragen – idealerweise auf der Innenseite. Da dürften ja die Aussentemperaturen keinen großen Unterschied mehr machen und auch die Bewegungen / Erschütterungen des Handgelenks nicht. Hast Du mit solchen externe optischen Sensoren auch Erfahrungen gesammelt?

    Sportliche Grüße

    Thomas

    1. Selbst leider keine Erfahrungen; ich bin auf Leihgaben bzw. Zusammenarbeit angewiesen.

      Allerdings doch von vielen gehört, dass Messung am Oberarm wesentlich besser sein sollte. Darum weise ich ja auch darauf hin, dass ich auch die WHR-Uhr ganz normal am Handgelenk trage, was für die oHR-Pulsmessung nicht gerade ideal ist 😉

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