Für alle Details über den Oura Ring kann man natürlich auf der Webseite nachlesen; ich möchte aber gerne einen Überblick geben, was mir daran so auffällt und wahrscheinlich auch anderen nützlich sein wird.

Der Oura Ring ist inzwischen ein ziemlicher Alleinkämpfer auf dem Markt von Wearables in Form eines Rings, die Gesundheitsdaten sammeln, geworden.

Zumindest eine Alternative gab es, aber dieses Unternehmen hat in den Bereich von Sicherheitslösungen für Unternehmen gewechselt, wenn ich richtig informiert bin.

Was es zu bedenken gilt

Dass ein Wearable, das als Ring auftritt, es nicht ganz einfach haben sollte, ist nicht besonders überraschend.

Ring = Schmuck?

Als Ring, zu tragen an einem Finger, fällt der Oura Ring in den Bereich Schmuck. Wer auch immer etwas anderes am Finger tragen will – oder lieber nichts – wird schon damit Probleme haben.

Oura Ring am Ringfinger
Oura Ring am Ringfinger

Grösse und Tragekomfort

Ein Ring hat noch weitere Probleme:

Er ist natürlich nicht verstellbar, man muss also die richtige Grösse für den richtigen Finger aussuchen.

Je nach Grösse und Form der Finger ist die Chance hoch, dass man den Ring dann auch nur an genau diesem Finger tragen kann.

Der Oura Ring ist auch kein dünnes Goldbändchen, also ist es sehr wahrscheinlich, dass man den Ring gegen die benachbarten Finger spüren wird.

Der Sizing Kit von Oura

Oura bietet als Lösung ein Set von Plastikringen der verschiedenen Grössen an, mit denen man Grösse und Tragekomfort ausprobieren kann.

Es scheint etwas verschwenderisch, so ein ganzes Set nur für die Anprobe zu bekommen, und natürlich dauert es so länger, bis man endlich seinen Oura Ring bekommt:

Zuerst einmal bestellt man den Ring, den man gerne hätte und hakt an, dass man erst den Sizing Kit bekommen möchte. Der wird dann einmal geschickt, man probiert aus, was am besten passt, entscheidet sich und trägt in der Bestellung die gewünschte Grösse ein.

Erst dann wird der richtige Ring geschickt.

Für die Sicherheit, die man durch diesen Prozess hat, ist es den Aufwand schon wert, aber es bedeutet doch, dass mindestens zwei Wochen zwischen der Bestellung und dem Erhalt des eigentlichen Rings vergehen werden.

Ich kann dieses Vorgehen dennoch nur empfehlen. Ohne das hätte ich sicher eine komplett falsche Grösse ausgewählt.

Die Sensoren des Oura Ring
Die Sensoren des Oura Ring

Passives Tracking, Einsichten in der App

Der Formfaktor Ring bedeutet auch, dass dies ein Wearable ist, das nur passiv trackt. Die davon gesammelten Daten kann man nur dann sehen, wenn man die dazugehörige Smartphone-App öffnet; am Ring es gibt kein Display, nicht einmal einen Indikator für niedrigen Batteriestand.

Bei all diesen Besonderheiten hat es ein Fitnessband oder ein Wearable in Form einer Uhr wesentlich einfacher, seine Vorzüge klar zu machen. Inzwischen, wo die meisten von diesen mit GPS kommen, schon überhaupt.

Die Liste an Dingen, die man bedenken muss, ist ganz schön lang und lassen wohl zögern.

Es gibt allerdings auch eindeutige Vorzüge.

Die Vorteile des Oura Ring

Die zwei grössten eventuellen Probleme mit dem Oura Ring sind zugleich, anders betrachtet, seine grössten Vorteile: der Formfaktor und das passive Tracking.

Das Problem mit Uhren

Immer mehr Leute wollen von den Sportuhren, für die sie sich entschieden haben, immer mehr, von Sport-Tracking über Fitnessratschläge zu Stressanalyse im Verlauf des Tages und Schlafanalyse über Nacht – ganz zu schweigen von Smartwatch-Funktionen. Es ist verständlich, aber es macht diese Uhren auch ein klein wenig gefährlich.

Uhren, die rund um die Uhr die Herzfrequenz (und mehr) analysieren, geben einem das Gefühl, man müsste sie auch rund um die Uhr am Handgelenk haben. Nur zu oft ist das Resultat eine Entzündung am Handgelenk, unter der Uhr, die nur zu lange getragen worden war

Der Vorteil eines Rings

Der Oura Ring hat dieses Problem nicht.

Selbst wenn man den Ring nur alle paar Tage zum Laden der Batterie vom Finger nimmt, sonst aber rund um die Uhr trägt, hat er nicht genug (konstanten) Kontakt mit der Haut, um Irritationen hervorzurufen.

Wenn man sich die Hände wäscht, dann werden auch der Ring und die Haut unter ihm mit gewaschen. Wenn man sich die Hände danach abtrocknet, dann wird auch der Ring ausreichend getrocknet. Was an Feuchtigkeit vielleicht noch bleibt, das trocknet auch schnell genug ab; so viel Haut bedeckt der Ring schliesslich nicht.

Ohnehin schwitzen Finger auch nicht so sehr, so dass auch durch Schweiss weniger Probleme entstehen (nämlich keine) als bei Uhren und dem Handgelenk darunter.

Der Oura Ring auf seiner Ladestation
Der Oura Ring auf seiner Ladestation

Die Freuden des Unbemerkten Tracking

Ich mag verschiedene Uhren, und Uhren im Allgemeinen, nicht so wenig.

Manchmal möchte ich trotzdem keinerlei Uhr tragen. Manchmal selbst untertags, vor allem aber in der Nacht (und Schlaftracking, wofür WearOS nicht gerade gut ist, ist ein wesentlicher Grund, warum Oura Ring und Suunto 7 sich so gut ergänzen).

Ich möchte aber doch konstant Daten aufgezeichnet haben, gerne ohne diese ständig zu sehen und dazu geführt zu werden, mir dazu Gedanken zu machen – und das ist genau das, was der Oura Ring leistet.

Von ihm gibt es keine Erinnerung an die Schritte, die ich bisher gemacht habe und durch die ich vielleicht dahin getrieben werde, mich schlecht zu fühlen, weil ich mich doch mehr bewegen müsste. Es gibt kein Trainingstagebuch, das zu einem Workout treiben muss. Es gibt nicht einmal eine Zeitanzeige.

So ziemlich alles das gibt es aber in der App dazu. Diese kann zum Beispiel auch Benachrichtigungen schicken, wenn man sich schon länger nicht bewegt hat.

Das spezielle Tracking des Oura Ring

Der Oura Ring hat auch in seinem Tracking-Schwerpunkt deutliche Unterschiede zu vielen Wearables, insbesondere all den Sportuhren. Auf eine Art, die ich schon für sich im Bereich Gesundheits-Tracking sehr interessant finde und die zudem als Ergänzung zum Sport(uhren)tracking interessant ist.

Alltags-Tracking

Oura App 'Tab' zur Aktivität
Oura App ‘Tab’ zur Aktivität

Das alltägliche Tracking durch den Oura Ring während des Tages ist limitiert auf nichts als Aktivitätstracking.

Natürlich wird daraus aber noch einiges mehr gemacht; die App zeigt die

  • Phasen mit höherer / mittlerer / geringer Aktivität und die Verhältnisse zwischen diesen im Lauf des Tages,
  • verschiedene Faktoren, die zur täglichen Aktivität beitragen,
  • Schritte und ihr Äquivalent in Distanz,
  • Kalorien und
  • Fortschritt hin zu täglichen Aktivitäts- bzw. Kalorie-Zielen.

Zu den Faktoren, die zur Aktivität beitragen, gehören auch

  • Trainingsfrequenz und
  • Trainingsumfang sowie
  • Erholungszeit.

Der Oura Ring selbst trackt Trainigseinheiten als solche aber nicht.

Sport-Tracking: Nein

Sportliche Aktivitäten, Training, etc. erscheinen nur als Phasen mit höherem Aktivitätsniveau (wenn sie als solche erkennbar sind, denn z.B. eine Spin-Stunde mit statisch am Griff liegenden Händen wird wohl nicht registriert werden können).

Werden die Trainingseinheiten allerdings mit Google Fit aufgezeichnet oder in diese App importiert, dann kann die Oura Ring-App die Aktivitätsnotiz automatisch synchronisieren.

Ansonsten liessen sich Workouts nur als Notiz zu ihrem Typ, der Startzeit, der Dauer und der Intensität manuell eintragen.

Ruhe-Tracking: Ja

Oura App "Momente"
Oura App “Momente”

Ruhephasen übrigens erscheinen in der App so wie synchronisierte Trainingsdaten; sie werden allerdings vom Ring selbst erkannt und in der App ‘notiert’.

Der Oura Ring bietet auch tiefergehende Daten mit Einsicht in Herzfrequenz und – variabilität während des Tages wenn man eine solche Ruhephase einlegt oder mit der App einen “Moment” nimmt, d.h. eine Meditationssitzung für “Presence” (Präsenz, Aufmerksamkeit), (geführte) Atemübungen für “Rest” (Ruhe) macht oder seinen körperlichen Status per “Check body status” prüft.

Das ist auffällig anders als andere Tracker/Wearables. Es vermeidet wohl auch laute Stimmen, die Dinge verlangen, die der Oura Ring nicht gut bieten könnte (im Wesentlichen, alles rund um Sport-Tracking). Und es passt sehr gut zu dem Schwerpunkt, den dieses Gerät nun einmal hat.

Der Daten-Schwerpunkt des Oura Ring

Worauf der Oura Ring fokussiert ist, wenn es um das Sammeln von Gesundheitsdaten geht, das sind Schlaf und Readiness (“Bereitschaft”), späteres vor allem auch basierend auf HRV (Herzfrequenzvariabilität), gemessen während des Schlafs.

Der Oura Ring misst Puls und Herzfrequenzvariabilität, und damit Readiness, mit Hilfe eines IR-Sensors, der tiefer in die Haut ‘sehen’ kann, der am Finger positioniert ist, so dass er den Blutfluss durch kleine Arterien dort erkennen kann (während Sportuhren auf die Kapillaren an der Oberfläche des Handgelenks ‘blicken’ müssen) und der sich nur dann aktiviert, wenn man ruhig ist (um schlechte Daten, die während Bewegungen gemessen wurden, zu vermeiden).

Für Analyse und Rat werden diese, wie wir unten gleich noch ansehen wollen, in Bezug zur Aktivität betrachtet.

Dieser Schwerpunkt ist sehr interessant.

Schlaf

Oura App 'Tab' zum Schlaf
Oura App ‘Tab’ zum Schlaf

Mein Vergleich mit Sportuhren, die auch Gesundheit / Stress / Schlaf tracken hat keine grossen Unterschiede zwischen deren Resultaten und jenen vom Oura Ring gezeigt.

DasOura- Argument ist, dass HR(V)-Tracking während des Tages, bei all der Bewegung durch alltägliche Aktivität, nicht die besten Einblicke offeriert, darum von ihnen nicht gemacht wird… was durchaus eine berechtigte Kritik sein könnte.

Was Schlaf angeht, nimmt der Oura Ring folgendes auf:

  • Zeit im Bett sowie
  • Schlafzeit und
  • Schlafeffizienz” (das Verhältnis zwischen Schlaf und Zeit im Bett),
  • Ruhepuls (als Graph, Minimum und Durchschnitt),
  • Schlafphasen (wach, REM-Schlaf, leichter und tiefer Schlaf) und
  • Bewegung (Ruhelosigkeit).

Es gibt auch (wie bei der Aktivität) eine Analyse von “Sleep Contributors” (zum Thema Schlaf gehörige ‘beitragende’ Faktoren):

  • Total sleep (Schlaf insgesamt)
  • Efficiency (Schlafeffizienz, sh. Oben)
  • Restfulness (Ruhe – versus Ruhelosigkeit)
  • REM sleep
  • Deep sleep
  • Latency (Zeit bis zum Einschlafen)
  • Timing (Schlaf- und Aufwachzeit)

Die verschiedenen Faktoren spiegeln sich auch in einem “Sleep Score” in ihrer Gesamtheit wieder.

HRV und ‘Readiness’

Oura App 'Tab' zur Readiness
Oura App ‘Tab’ zur Readiness

Der dritte Fokus des Oura Rings und der App – neben (alltäglicher) Aktivität und Schlaf – ist die “Readiness”.

Wiederum gibt die Homepage der App den Gesamt-Score für diesen Aspekt an.

Dringt man tiefer in die Daten ein, mit einem Blick auf den Tab für die Readiness, dann findet man dort

  • ein Diagramm für die Readiness-Werte (und den Ruhepuls) über die letzten Tage,
  • den Ruhepuls,
  • die HRV,
  • die Veränderung in der Körpertemperatur und
  • die Atemfrequenz der letzten Nacht.

Unten auf dieser Tab (Seite) findet man

  • den Graph für die HRV der letzten Nacht (und die Durchschnitts- und Maximalwerte) und
  • den Graph der (Ruhe-)Herzfrequenz während dieses Schlafs (mit separat angegebenen Durchschnitts- und Minimalwerten).

Dazwischen werden, wie üblich, die “Contributors” angegeben:

  • Resting heart rate (Ruhepuls)
  • HRV balance (Gleichgewicht der HRV)
  • Body temperature (Köpertemperatur)
  • Recovery index (Erholungszustand)
  • Previous night(‘s sleep score) (“Letzte Nacht”, gemeint ist damit der Schlaf-Score jener Nacht)
  • Sleep Balance (d.h., ob man in letzter Zeit ein gutes Gleichgewicht von Schlaf zu Nicht-Schlaf hatte)
  • Previous Day Activity (Aktivitätsniveau des vorhergehenden Tages)
  • Activity Balance (Gleichgewicht zwischen Aktivität und Inaktivität)

Diese “Contributors” werden übrigens immer in Bezug auf ihre Werte und/oder normale Verhältnisse hin analysiert und als optimal, okay oder genauer zu beachten (“Pay attention”) bewertet.

Wann HRV gemessen wird

Ausser, wenn man einen “Moment” einlegt werden, wie schon gesagt, HRV und verwandte Messdaten zur ‘Bereitschaft’ nur dann gesammelt, wenn man schläft. Selbst dann nur, wenn man sich nicht gerade hin- und herwälzt; zu solchen Zeiten mit schlechten Bedingungen für die Datensammlung zeigen die Graphen einfach Lücken.

Das kann ein wenig seltsam anmuten, aber wird eben gemacht, um die Qualität der Messdaten zu erhöhen. Ganz schlecht sind die Daten sonst auch nicht, aber es stimmt schon, dass die untertags von sonstigen Wearables gesammelten Daten ebenso gut gültig wie durch Bewegung verfälscht sein können.

Man kann das also als ein Problem des Oura Rings sehen, wenn man das Gefühl hat, von seinem Wearable am Handgelenk ständig Daten zu Stress und “Body Battery” bekommen zu müssen.

Ich finde es nicht gerade uninteressant, solche Werte angezeigt zu bekommen, aber ich finde den Ansatz von Oura, lieber auf wahrscheinlich weniger wertvolle Daten zu verzichten und sich auf jene zu konzentrieren, die konsistent gut sein sollten, ziemlich erfrischend.

Alles in allem

Für einen Überblick über die persönliche Gesundheit und ihre Entwicklung im Lauf der Zeit, unter Beachtung des Einflusses von Aktivität aber nicht auf sportliche Leistung konzentriert, finde ich hier viel gutes.

Nicht jederman ist ein Athlet, selbst viele von uns Sportlern könnten sich ruhig weniger auf Leistung und Trainingsfortschritt konzentrieren – und nicht viele Wearables konzentrieren sich so gut auf diese Aspekte von alltäglicher Aktivität, Schlaf und Readiness (was ich vielleicht als Erholungszustand übersetzen sollte).

Oura App Homepage
Die Homepage der Oura App

Viel üblicher ist der Fokus entweder nur auf Schritten (ihr wisst schon, die berühmt-berüchtigten 10000 Schritte) oder auf echtem Training. Nicht oft werden Aktivität, Schlaf und Readiness in ihren Beziehungen zueinander analysiert.

Die Oura Ring App fasst alles Wichtigste auf ihrer Homepage schnell zusammen, mit Anzeigen, die sich im Laufe des Tages auf die jeweils wichtigeren Daten hin konzentrieren (also Readiness am Morgen, Aktivität während des Tages, Schlaf wenn die Bettzeit näher rückt… wenn ich mir das richtig gemerkt habe).

Das ist sehr schön gemacht, ob man es nun bloss für einen Überblick über aufgezeichnete Daten verwendet oder sich näher mit den Daten und den Erklärungen derselben beschäftigt, um der Gesundheit zuträgliche Änderungen zu probieren.

Für all die Zeiten, in denen alltägliche Aktivität und nicht Training überwiegt, für kontinuierliches Tracking ohne aufdringlichen Fokus auf die Daten, finde ich den Oura Ring eine ausgezeichnete Wahl.