Nachdem wir im ersten Teil auf die Basics – das Aussehen und die Grundfunktionen – der Casio Rangeman GPR-B1000 gesehen haben, wenden wir uns hier dem Thema GPS und Navigation zu.

Die Besonderheit der Rangeman GPR-B1000 ist schliesslich, dass diese G-Shock (wie sonst unter den Casio-Uhren nur die Pro Trek Smart) GPS-Positionsdaten empfangen und zur Navigation nutzbar machen kann.

Nur leider allerdings funktioniert das mit gewissen Vorzügen und zahlreichen Problemen…

GPS-Start auf der Casio Rangeman
GPS-Start auf der Casio Rangeman

GPS-Empfang

Funktioniert der Empfang des Signals von genug GPS-Satelliten, dann hat es binnen 2-3 Minuten ganz gut funktioniert. Man sieht die Position bzw. startet sich die Aufzeichnung oder Navigation entlang der zuvor auf die Uhr transferierten Route.

Es braucht allerdings so seine Zeit, bis genug GPS-Signale empfangen und interpretiert wurden, um die Position bestimmt zu haben.

GPS-Start(versuch) der Casio Rangeman
GPS-Start(versuch) der Casio Rangeman

Ein Hilfs-File, dass den Empfang beschleunigt, scheint es nicht zu geben; ebenso wenig sieht man etwas vom Fortschritt bei der Suche nach GPS-Satelliten.

Funktionierte der Empfang nicht, dann kam nach einiger Zeit und vergleichsweise kurz die Meldung, dass der GPS-Empfang nicht funktioniert hatte, und die Uhr war einfach nicht mehr in dem Display, das die GPS-Suche anzeigt.

Insbesondere in Städten (an Orten mit weniger Blick auf den Himmel) kann der GPS-Empfang durch die Casio Rangeman GPR-B1000 leider ohne weiteres scheitern.

Auch in den Bergen hatte ich durchaus Probleme gesehen; dass allerdings an Stellen, wo etwa auch die Garmin Instinct Probleme hatte. (Die Instinct zeigte mich dort ganz woanders, als ich eigentlich war; die Rangeman zeigte an, gerade kein GPS zu empfangen.)

Die Qualität der Positionsdaten schien allerdings, selbst in Städten wie Florenz, gar nicht so schlecht zu sein. Hier allerdings kommen andere Faktoren (leider) stark ins Spiel…

In Florenz aufgezeichnete Routen von Casio Rangeman bzw. Suunto 9. Wie man sieht, haben hier alle GPS-Uhren so ihre Probleme...
In Florenz aufgezeichnete Routen von Casio Rangeman bzw. Suunto 9. Wie man sieht, haben hier alle GPS-Uhren so ihre Probleme…

Das Problem mit der Casio G-Shock App

Eines der grösseren Probleme, was GPS-Nutzung mit der Casio Rangeman angeht, das ist gar nicht so sehr die Rangeman selbst als vielmehr die App:

Routenplanung

Man kann in der App eine Route vorplanen, die man sich dann auf der Rangeman anzeigen lässt.

Aber, es wird nur ein Landkartentyp verwendet, der nicht besonders exakt ist. Die wesentlichen Strassen sind darauf eingezeichnet; die allermeisten kleineren Wege, geschweige denn Trails, sind es jedoch nicht.

Die App erlaubt es auch nur, einen Start- und Endpunkt sowie Punkte entlang einer Route dazwischen einzuzeichnen.

Es gibt aber keine Funktion, mit der automatisch Wegen gefolgt würde. Selbst wenn man ein GPX-File von einer Route importiert, kann man dieses nicht automatisch als Route nutzen sondern muss die Route immer noch selbst ‘einzeichnen’.

Das dauert so seine Zeit und ist auf einem Smartphone-Display nicht gerade so exakt, wie es gut wäre.

Die Route muss man dann auf die Uhr transferieren bzw. die früher genutzte Route in der App deaktivieren und die nun gewünschte Route auswählen/aktivieren und transferieren.

Routenaufzeichnung

Einfacher funktioniert es, wenn man die Navigation einfach nur einschaltet, um eine Route aufzuzeichnen.

Positionsdaten werden bei “high accuracy” GPS alle 4 Sekunden aufgezeichnet, bei “low accuracy” GPS jede Minute; bis zu 20 Tracks lassen sich auf der Uhr speichern und auch wieder aktivieren.

Routen-Aufzeichnungen in der App

Ebenso lassen sich die aufgezeichneten Tracks in der App speichern und dort betrachten.

Das Ganze ist einerseits ganz nett:

Es gibt eine Timeline für all die gespeicherten Tracks. Man kann diese mit Fotos versehen bzw. werden Smartphone-Fotos offenbar automatisch damit verbunden (allerdings bleiben Hinweise auf deren Vorhandensein auch dann bestehen, wenn man die Fotos schon wieder gelöscht hat und sie dadurch nicht mehr angezeigt werden können).

Es gibt auch einen detaillierten Blick auf den Track mit Landkarte, Höhenprofil und Fotos und es gäbe sogar einen, allerdings nur bedingt sinnvoll (ausreichend detailliert funktionierenden und sich schnell genug ladenden) 3D-View.

(Anfang der) Routendarstellung (im Sinne eines aufgezeichneten Tracks) in der Casio Connected App
(Anfang der) Routendarstellung (im Sinne eines aufgezeichneten Tracks) in der Casio Connected App

Andererseits allerdings lassen sich Tracks nicht aus der App exportieren; sie sind dort sozusagen gefangen. Darum kann ich auch keine Vergleichs-Tracks für die Rangeman anbieten, wie ich sie für alle anderen GPS-(Sport-)Uhren produziere.

Ein Backtrack ist mit gespeicherten Tracks auch möglich, aber hier kommen wir zu einem der wesentlichen Probleme der Rangeman-Navigation.

Das Problem mit Navigation auf der Casio Rangeman

Hat man eine Route auf die Rangeman transferiert und startet die Navigation, so wird damit auch gleich die Navigation entlang dieser Route gestartet. Oder zumindest würde deren Darstellung auch gleich geladen werden, denn Navigation kann man das kaum nennen.

Routen- (Navigations-)Darstellung auf der Rangeman... mit dem grössten Zoom, in 2 km-Skala...
Routen- (Navigations-)Darstellung auf der Rangeman… mit dem grössten Zoom, in 2 km-Skala…

Casio zeigt (auf der offiziellen Website) ganz nett, wie die Navigation funktionieren soll… aber dabei ist es ganz leicht zu übersehen, was für Distanzen und Massstäbe angezeigt werden!

Info zur Rangeman-Navigation von englischsprachiger Website
Auf den englischsprachigen Websites wird das so zum Beispiel gezeigt…

Die Route wird von der Casio Rangeman GPR-B1000 nämlich standardmässig in einem Massstab von 40 km angezeigt, bei dem das Display einer Wegstrecke von gut 120 Kilometern entspricht.

Im Werbematerial sieht das gut aus -weil man dort eine Route von 101.4 km Wegstrecke vor sich hat.

Eine Zoomskala… zum nichts sehen

Man kann weiter hinein zoomen – zu einer Skala von 4 km oder 2 km.

Für eine Navigation auf Trails in den Bergen ist das bei weitem zu grob.

Selbst für eine Navigation auf Strassen reicht das nicht, um Abzweigungen zu erkennen.

In einem Hubschrauber könnte man dem vielleicht folgen, um einen ungefähren Weg zu nehmen – und selbst dann würde man mit der Casio Rangeman wohl kaum auf dem passenden Berggipfel einer Gebirgskette ankommen, würde man nur auf die Route sehen.

Der “Richtungs”-Pfeil und das Backtrack

Der Richtungspfeil, der zum Ziel führen soll und als weiteres Navigationsdisplay verfügbar ist, hilft dabei auch nicht mehr viel weiter.

Ich hatte gehofft, dass er wenigstens dem Verlauf der Route folgen helfen sollte (und klinge darum im Video oft so, als wäre dies der Fall).

Casio Rangeman Navigation... der Pfeil zum Ziel
Casio Rangeman Navigation… der Pfeil zum Ziel

Der Pfeil soll wohl eigentlich auch nur in direttissima zum Ziel zeigen, aber nicht einmal das hatte ich eindeutig feststellen können, weil er so oft in entgegengesetzte Richtung hin- und hergesprungen war, dass seine Funktion nicht klar erkennbar und sein Nutzen nicht gegeben war.

Ein “Backtrack” entlang einer zuvor aufgezeichneten/absolvierten Route ist dementsprechend eben auch, in seiner praktischen Nutzung, sinnlos.

GPS/Navigations-Fazit

Wäre bloss ein höherer Zoomfaktor auf der Uhr möglich und die Routenkreation in der App (gerne einfach nur per GPX-Import, der automatisch eine Route aus den Daten erstellt) simpler, so wäre die Rangeman wesentlich sinnvoller.

Damit könnte man sie in den Bergen – zumal in Anbetracht ihrer Haltbarkeit und der Solar-Ladefunktion – ebenso wie selbst bei Stadttouren gar nicht so schlecht für Navigation und Streckenaufzeichnungen nützen.

Sie richtet sich ohnehin an ein etwas spezielles Zielpublikum, das wohl nicht unbedingt an Sportdaten oder dergleichen interessiert ist – und selbst mich würde die Rangeman, in ihrer Kombination aus leicht extremem Aussehen und spezieller Funktionalität, durchaus als spezielles Timepiece ansprechen.

Trainingsunterstützung würde ich davon nicht erwarten, auch keine Abbiegehinweise für meinen nächsten Ultramarathon.

Dass die Casio Rangeman allerdings für das Überleben in härtesten Bedingungen gedacht sein soll und wegen ihres viel zu geringen Zoomfaktors bei der Navigation leicht einmal den falschen Berghang hinauflocken könnte, das lässt mich in diesem Bereich an Casio zweifeln.

Der wirklich toughen Konstruktion und ansonsten interessanten Mischung an Funktionalitäten wird das leider nicht gerecht.

Nächster Punkt: Mein Fazit, insgesamt.