Komische Sache, das Laufen auf einer 400m-Bahn:

Man braucht nicht gerade ein GPS, um Runden (und damit, Distanz) zu zählen, aber es ist so eine (scheinbar) einfache “Route”, das viele sie nur zu gerne mit einer GPS-Sportuhr aufzeichnen… und dann feststellen müssen, dass sie für GPS nicht einfach ist.

Das Gefühl kennt ihr vielleicht auch:

Da geht man auf einer solchen Laufbahn seine Runden ziehen, bleibt in seiner Bahn und weiss, die Distanz ist immer die gleiche – aber die GPS-Sportuhr, die man nützt, zeigt die absolvierten Runden an immer anderen Stellen.

Vor allem, wenn man automatische Runden alle 400 m markieren lässt und auf der entsprechenden Bahn 1 läuft, wird es bemerkbar, dass GPS-Uhren diese Runden und die Distanz darauf nicht wirklich gut zählen können.

Coros wollte sich von dem abheben, mti dem Training auf 400m-Laufbahnen helfen und hat dazu gerade einen eigenen “Track Run”-Modus für ihre Uhren – Pace, Apex, Vertix, Apex Pro – herausgebracht.

Und ist der mal spannend!

Einen Laufbahn-Lauf (Trackrun) starten

Sicherlich eine Frage, die man sich für einen solchen Modus gleich einmal stellt: Muss man also am Startpunkt auf der Laufbahn diesen Modus ein- oder in diesen Modus umschalten? Nein, muss man nicht.

Man kann schon am Weg zur Laufbahn mit dem Laufen anfangen und gleich den Track Run-Modus einschalten.

Das Warmlaufen wird dann genauso aufgezeichnet, wie jeder andere Lauf.

Erst, wenn man tatsächlich damit angefangen hat, auf der Laufbahn seine Runden zu drehen, erkennt die Uhr das und informiert mit einem Piepsen (wenn Aktivitätsalarme aktiv sind, nehme ich einmal an) und einem Pop-up am Display, dass eine Laufbahnrunde erkennt wurde und man so einfach weitermachen sollte.

Erste Erfahrungen

Mein Testlauf war etwas seltsam.

Ich bin mal auf einem kleinen Umweg losgelaufen, dann auf die Bahn. In der ersten Runde hatte die Vertix, die ich für diesen Test nutzte, ein kleines Problem mit der GPS-Empfang (wie man am aufgezeichneten Track sehen kann); sie zeigt mich im südlichen Teil ein wenig weiter von der Bahn entfernt, als ich wirklich war und scheint im Norden der Bahn für ein paar Meter den Empfang verloren gehabt zu haben.

Diese erste Runde scheint auch als ein wenig kürzer alsl 400m aufgezeichnet worden zu sein.

Dann, auf der anfänglichen Gerade, begann die Laufbahn-Erkennung, aktiv zu sein – und ich dachte, ich bildete mir Dinge ein.

Aufzeichnungen und automatische Rundenmarkierung im Laufbahn-Modus

Ich bin 3×5 Runden auf Bahn 1 um die Laufbahn gelaufen. Mit (manuell aktivierten) Pausen zwischen den Sets, um auf Video aufzunehmen, was ich auf den (mehrfachen, zum Vergleich genutzten) Uhren hatte beobachten können und um manche der Uhren zwischen linkem und rechtem Arm zu wechseln.

Immer, ein paar Meter/Schritte um den Punkt, wo die Laufbahnerkennung sich (für das erste Set) aktiviert hatte bzw. Ich die Aufzeichnung (bei den anderen zwei Sets) nach der Pause wieder eingeschaltet hatte, wurde mir die 400m-Autolap entgegengepiepst.

Test des Coros-Laufbahn-Modus: Das sind doch tatsächlich 16 Runden auf Bahn 1…

Zumindest war dem so, nachdem ich endlich – kleiner Tipp für alle, die nicht so blöd sein wollen, wie ich am Anfang – die Autolaps auf 400m umgestellt hatte.

Ausprobieren wollte ich das nicht, aber es wäre ziemlich unkompliziert gewesen, auf eine andere Laufbahn als die Nummer 1 zu wechseln, und die Aufzeichnung auf diese Bahn und ihre jeweilige (ein wenig andere) Länge umzustellen.

Bahnauswahl im Coros Track Run-Modus

Resultate vom Laufbahn-Modus

Wie man an den GPS-Tracks sehen kann, sind alle ausser die erste (noch nicht als auf-der-Laufbahn erkannte) Runde genau so wie und genau wo sie sein sollten. Sie wurden auch alle als ziemlich genau 400 m aufgezeichnet und in der App auf jeden Fall genau so markiert.

Zugegeben, der Coros habe ich es eventuell noch ein wenig leichter gemacht, weil ich diese Uhr stets in derselben Position am linken Arm getragen habe.

Vergleichswerte von der Laufbahn: Suunto 9 Baro, Polar Vantage V, Garmin Forerunner 945

Um zu sehen, was der Laufbahn-Modus so liefert, sollte man sich auch ansehen, wie er klassischerweise (nicht so gut) funktioniert.

Okay, vielleicht ein wenig gemein, das so zu sagen. Aber Vergleichswerte wollte ich jedenfalls produzieren.

Dazu habe ich eine Suunto 9 Baro (die ganze Zeit und immer am rechten Handgelenk) getragen, eine Polar Vantage V (auch die ganze Zeit, vom rechten zum linken zum rechten Arm gewechselt) und eine Garmin Forerunner 945 (bei den letzten zwei Sets hinzugefügt und zwischen rechtem und linkem Arm gewechselt).

Wie üblich habe ich versucht, die Uhren zumindest einige Zentimeter voneinander entfernt zu halten, damit sie (hoffentlich) nicht miteinander interferieren.

Alle Uhren waren ausserdem in GPS+GLONASS-Modus gestellt. (Normalerweise würde ich für eine solche Aufzeichnung lieber nur GPS verwenden, aber nachdem die Polar Vantage nur GPS+GLONASS oder GPS+GALILEO unterstützt, wollte ich lieber auf diese Art ein gleiches Spielfeld für alle produzieren).

Suunto 9 Baro auf der Laufbahn (im Lauf-Modus)

Die Suunto 9 Baro, die ich mit der Coros hier vergleichen wollte, habe ich die ganze Zeit am rechten Handgelenk getragen. Dementsprechend war sie immer der Aussenseite der Laufbahn zugewandt und sollte etwas mehr Distanz aufgezeichnet haben.

Genau so war dem auch. Die GPS-Tracks werden auch ein wenig weiter ausserhalb angezeigt, als ich tatsächlich gelaufen war; sie zeigen auch dazu, eher nach aussen abzudriften.

Hier muss man aber doch sagen, dass die kürzlich eingeführte “schlingerfreie” GPS-Firmware aus dem letzten Suunto-Update ziemlich gut für einen solchen Lauf gewesen war.

Suunto 9 Baro, auch für 16 Runden insgesamt, auf der 400m-Laufbahn

Die aufgezeichneten Tracks sind nicht so schön auf der 400m-Bahn wie jene von der Coros, aber ziemlich eng beeinander und konsistent.

Polar Vantage V Leistung auf der 400m-Laufbahn

Die Polar Vantage V habe ich zwischen rechtem und linkem Handgelenk (eigentlich eher schon Vorderarm) herumgetauscht, und sie zeigt den Einfluss dieser Änderung deutlich.

War die Uhr auf der Innenseite der Laufbahn, dann zeigen auch die aufgezeichneten Tracks eher nach innen – bis an einen Punkt, wo ich im Spielfeld inmitten der Laufbahn gezeigt werde. Rechts, an der Aussenseite, getragen, liegen die aufzeichneten Tracks dafür tendenziell zu weit aussen.

Insgesamt ist das eine sehr typische GPS-Aufzeichnung, für einen solchen Lauf: Man kann schon erkennen, dass es durch ein paar Runden ging (natürlich besonders dann, wenn man eben auch die Laufbahn am Satellitenbild sieht, eh klar). Sehr exakt ist die Aufzeichnung aber nicht.

Polar Vantage V, 16 Runden um die Laufbahn

Noch interessanter – im Sinne von, seltsamer – ist die Rundenaufzeichnung hier:

Die ersten 5 Runden wurden als 2,11 km gemessen, als die Uhr am rechten, äusseren, Arm war.

Die ersten 5 Runden (in rot) auf der 400m-Laufbahn, mit der Vantage V am rechten Arm

Die nächsten 5 Runden (mit der Uhr am inneren, linken Arm) wurden passender als 2,01 km gemessen, aber die Track ist etwas anders, als in der Realität, gelegen.

Die mittleren 5 Runden per Vantage V (am linken Arm)

Die letzten 5 Runden, bei denen ich die Uhr wieder am äusseren Arm hatte, mass 2,14 km, zeigte dafür aber wieder Tracks, die besser darin wirken, wie sie der Laufbahn folgen.

Die letzten 5 Runden (in rot) auf der Laufbahn

Die Garmin Forerunner 945 auf der Laufbahn

Die Garmin Forerunner 945, auch zwischen Handgelenken umgetauscht (diesmal zuerst rechts, dann links und nur auf den letzten 2×5 Runden getragen) zeigt auch ein interessantes Resultat.

Die Tracks sind hier näher an der Bahn 1, auf der ich immer gelaufen war. Die Positionsgenauigkeit wirkt damit besser, als bei der Polar Vantage oder (eventuell) Suunto 9 Baro.

2x 5 Runden auf Bahn 1 mit der Garmin Forerunner 945

Die Breite, wo die Tracks gezeigt werden, ist allerdings immer noch weiter, als auf der Coros im Track Run-Modus; der Einfluss dessen, wo die Uhr jeweils war (am linken oder rechten Arm) ist nicht so leicht erkennbar und negativ, wie er bei der Polar Vantage V war, aber gut erkennbar.

Das normale Problem mit 400m-Autolaps

Das typische Problem von GPS-Sportuhren auf einer Laufbahn hat die Forerunner 945 aber auch gezeigt: Hier habe ich wieder 400m-Autolaps aktiviert.

(Garmin macht einem das vergleichsweise einfach, fast wie die Coros; hier hatte ich dafür allerdings Autolaps und Rundenalarme dann auch beim nächsten normalen Lauf auf 400m umgestellt…)

Und jede Runde wurden die 400m früher und früher angezeigt. Die zehnte Runde war dann, der Messung nach, schon nach nur ca. zwei Drittel der Laufbahnrunde fertig…

Der Blick auf die Tracks und Rundenmarkierungen in Garmin Connect ist lehrreich:

Erstens einmal findet man dabei, dass Connect einfach keinen so starken Zoom und keine so dünne Streckendarstellung zulässt, wie ich sie in Google Earth verwendet habe; das versteckt gleich einmal einige der Ungenauigkeiten in den Tracks.

Als Zyniker könnte man sagen, dass Garmin hier ein schönes Versteckspiel treibt. Diese Ungenauigkeiten sind allerdings innerhalb der Bandbreite an Fehlern, die für das ganze GPS-System – und GPS-Uhren, insbesondere – normal sind; die Genauigkeit, mit der Google Earth die Punkte anzeigt, sind schon eher eine Vorspiegelung falscher Tatsachen.

Die Laufbahnrunden, wie man sie in Garmin Connect (in maximalem Zoom) sieht), mit den “400m”-Rundenmarkierungen

Zweitens, und wesentlich interessanter, ist der Einfluss der Uhrenposition auf die automatischen Rundenmarkierungen hier:

Die ersten 5 Runden, mit der Forerunner 945 am äusseren (rechten) Arm zeigen eine wesentlich grössere Bandbreite.

Die Uhr hat die 400 m hier früher und früher gemessen, weil sie die Distanz überschätzte – logisch, wenn sie nach aussen zeigt, mich also weiter aussen auf der Bahn und dementsprechend weiter laufend “sieht”.

Auf der Innenseite der Bahn, am linken Arm, getragen, sind die 400m-Markierungen wesentlich näher beeinander (auch wenn die Tracks interessanterweise gar nicht so einfach aussehen, als die fünf zuvor…).

Fazit

Alles in allem… nun ja, alles in allem war das jetzt auch nur ein schneller Test, also kaum genug, um wirklich ein Fazit zu ziehen.

Aber, nach dieser Erfahrung würde ich zumindest einmal sagen, dass ernsthaftes Training auf der 400m-Bahn noch immer am einfachsten und genauesten mit einer Stoppuhr und manuellen Rundenmarkierungen gemacht wird… ausser man hat eine Coros, aktiviert den Track Run-Modus richtig (nicht zuletzt, mit Einstellung der Bahn, in der man laufen wird und Autolaps für die entsprechende Länge) und verwendet diesen.

Das Team von Coros hat hier gute Arbeit geleistet, allem Anschein nach – auch wenn ich, ganz ehrlich gesagt, viel mehr von den Richtungspfeilen, die dieses Update der Navigation hinzugefügt hat, angetan bin 😉