Das Suunto 7 September 2020 Update: Always-On Display, Routen, FusedTrack

Die Suunto 7 ist und bleibt eine der interessantesten WearOS-Smartwatches für Alltag und Sport – und das insbesondere mit den neuen Funktionen, die ihr das Update von September 2020 verleiht.

Natürlich ist eine WearOS-Smartwatch nicht die Uhr für ernsthaftes Sporttraining oder längere Abenteuer in den Bergen; für solche Verwendungen gibt es andere, bessere, Geräte.

Um allerdings einen geschäftigen Kalender unter Kontrolle zu halten (oder sich während Ausgangssperren an Dinge, die man tun könnte, erinnern zu lassen), schnell Benachrichtigungen zu erledigen ohne das Smartphone hinausnehmen zu müssen und sich dann eben auch mittels Sport oder Outdoor-Spass zu bewegen, ohne sich um Pulsgurte und Trainingspläne mit exakten Herzfrequenzbereichen sorgen zu müssen – dafür ist sie grossartig.

Das Vergnügen war nur dadurch etwas getrübt, dass die Batterielebensdauer eingeschränkt ist und man zwar Landkarten am Handgelenk haben, sich aber keine Route entlang leiten lassen, konnte – und an beidem hat Suunto gearbeitet.

Routendarstellung auf der Suunto 7-Landkartenanzeige

Zuallererst einmal zeigt die Suunto-App auf der Suunto 7 nicht mehr “nur” die Landkarte der Umgebung (und den bisher genommenen Weg, sobald man sich bewegt und das aufzeichnet), sondern auch Routen.

Man muss nur den Schalter für “Mit Uhr synchronisieren” bei gewünschten Routen in der Suunto-App am Smartphone umlegen und die Route wird auf die Suunto 7 überspielt.

Das ist aber noch längst nicht alles.

Das Routing auf der Uhr hat (noch?) keine Richtungspfeile, man muss also schon selbst eine Ahnung davon haben, in welche Richtung man eigentlich wollte, wann/wo das unklar ist. Das finde ich allerdings schon eher einen Vorteil, um nicht einfach nur blind zu folgen.

Dadurch, dass man gleichzeitig die Linie der Route, die Landkarte der Umgebung und die eigene bisherige Spur sehen kann, funktioniert die Orientierung auch so sehr gut.

Routenauswahl

Wenn man am Startbildschirm für eine Sportaufzeichnung die Route auswählen will, werden die auf der Uhr gespeicherten Routen als kleine Landkarten-Bildchen, die den Namen der Route, ihre Distanz und ihre Form anzeigen, dargestellt.

Man findet sie in der Reihenfolge der Entfernung von der eigenen aktuellen Position.

Das ist fantastisch schön dafür, nicht durch eine lange Liste an Routen scrollen zu müssen, bis man endlich die richtige gefunden hat.

Routen und Offline-Landkarten-Download

Noch davor, wenn die Suunto 7 am Ladekabel sitzt und mit WiFi verbunden ist, lädt die Uhr jetzt nicht mehr nur die Landkarten der Umgebung für die Offline-Verwendung hinunter.

Man kann immer noch, aber muss nicht mehr, selbst einen Kartenausschnitt auswählen, damit dieser ebenfalls heruntergeladen wird.

Die Landkarten für die Routen, die man auf die Suunto 7 geladen hat, die werden jetzt auch automatisch heruntergeladen, so dass sie sogleich bereit sind.

“Okay” GPS mit FusedTrack auf der Suunto 7

Batterielaufzeit ist und bleibt mit WearOS so eine Sache, und das betrifft immer noch auch die Suunto 7. Immerhin aber hat Suunto die FusedTrack-Funktion jetzt auch zu WearOS gebracht.

Auf der Suunto 7 funktioniert FusedTrack als eine Mischung aus GPS-Positionsbestimmungen alle 10 Sekunden plus der Streckenbestimmung dazwischen per Kompass, Gyroskop und Akzelerometer.

Die daraus produzierten Tracks haben schon eine Tendenz, ein wenig wackelig zu wirken, wenn man sie näher betrachtet, aber sie geben dennoch einen guten bis sehr guten Eindruck von den Wegen, die man genommen hat.

Distanzmessung ist sehr gut; Autolaps kommen ziemlich exakt an denselben Punkten, wie sie auch von Uhren mit 1 Sekunden-GPS-Rate kämen; Benachrichtigungen über Wegpunkte (oder vom Abkommen von der Route) kommen auch zu guter Zeit.

Erfahrungen mit der Batterielaufzeit mit FusedTrack

All das kommt mit Verbesserungen in der Batterielaufzeit, die wirklich gut sein können:

Ich hatte einen Testlauf mit FusedTrack, bei dem ich die Karten- / Navigationsansicht viel zu oft aktiviert hatte und in schwierigen Bedingungen unterwegs war. Das hat genug Batterie verbraucht, dass die Uhr trotz FusedTrack nur 4 Stunden durchgehalten haben sollte. – Das ist nicht ideal.

Mit bestem GPS und Routennavigation praktisch ständig aktiv, Benachrichtigungen ein, mindestens die Hälfte der Strecke in den schlechtest möglichen Bedingungen für GPS (in den Häuserschluchten der Altstadt von Florenz, die kaum Blick auf den Himmel freigeben), war ich 10 km, 1 Stunde, unterwegs.

Dabei hätte die Suunto 7 wahrscheinlich auch nur gesamt 4 Stunden durchgehalten; wieder nicht ideal.

In beiden Fällen allerdings hatte die Suunto 7 genug Batterie, dass ich es noch durch den Rest des Alltags geschafft habe bzw. hätte. Und solche (relativ) kurzen Läufe sind ohnehin nicht ideal dafür, Batterieeinschätzungen vorzunehmen.

Für einen besseren Blick darauf, ging es mit mir auch anders:

Ich habe auch eine Tour unternommen, die schon eher die richtigen Verhältnisse wiederspiegelt… Benachrichtigungen immer noch eingeschaltet, hin und wieder ein Blick auf die Landkartenanzeige, “Okay”-GPS mit FusedTrack aktiv – und die Suunto 7 lief für die fast 50 km in ein klein wenig mehr als 5,5 Stunden.

Und am Ende war noch genug Batterie vorhanden, dass die Uhr für weitere 4 Stunden in Sportaufzeichnung mit gutem GPS hätte laufen können (ich allerdings schon nicht mehr).

Schon eher, wie man sich das vorstellen würde!

Das übliche WearOS-Thema…

Wie immer ist alles bei WearOS extrem abhängig von den jeweiligen genauen Einstellungen und Bedingungen; wie gesagt ist eine Suunto 7 auch jetzt keine Uhr für Ultramarathons in den Bergen.

Mit “gutem” GPS (also FusedTrack), wenig Nutzung der Kartenansicht/Route und im Flugmodus (und vorzugweise nicht mit der höchsten Stufe an Display-Helligkeit, usw.) sollte man also zu einer Laufzeit der Uhr *in Sportaufzeichnung* kommen, die selbst ein atypischer Smartwatch-Nutzer nicht gerade laufen könnte oder wollen würde.

Für “Sports and Life, Combined” hat das wirklich einen interessanten Punkt erreicht. (Und wir werden uns noch genauer ansehen, wie Navigation funktioniert und wie man noch extremeres unternehmen könnte – und mehr.)

FusedTrack und Routennavigation

Eine nötige Erwähnung zu etwas, was mich selbst (wegen seiner Ähnlichkeit und Unterschiede zur Suunto 9) verwirrt hatte:

Die Suunto 7 verwendet die “gute” 10 Sekunden GPS-Rate, wenn man diese aktiviert hat, auch dann, wenn man Navigation nützt. Auf der Kartenansicht sieht man seine aktualisierte Position dementsprechend alle 10 Sekunden.

Hier werden auch nur diese Positionen angezeigt; erst in der Suunto App am Smartphone, nach dem Sync, sieht man wirklich die Strecken dazwischen, wie FusedTrack sie (mit)bestimmt hat.

Routennavigation funktioniert meistens dennoch sehr gut, aber man muss schon wissen, dass es eben vorkommen kann, dass man erst 10 Sekunden später auf der aktuellen Position angezeigt wird (oder noch später, wenn es Probleme mit der GPS-Positionsbestimmung gab).

“Immer-an”-Display in Sportaufzeichnung mit der Suunto App

In Sportaufzeichnung verhält sich die Suunto-App auf der Suunto 7 dabei jetzt anders, als zuvor: Sie wechselt nämlich nicht länger in batteriesparende schwarze Displays, bis man sie mit Handgelenksdrehung oder Tappen auf den Bildschirm (je nachdem, wie man sie eingestellt hat) wieder aufweckt.

Vielmehr funktionieren die Sport-Anzeigen jetzt als always-on displays, die ständig die Daten anzeigen, bloss auf den stromsparenden Koprozessor des Chipsets in der Uhr umschaltend.

Der Stromverbrauch ist dabei ein wenig höher, als bei den rein schwarzen (nur mit Hinweisen auf die Daten, die dahinter liegen würden) Displays, aber er ist kaum bemerkbar höher, so dass der Nutzen diese Kosten überwiegt.

Nur die Landkartendarstellung wechselt immer noch zu einem (im wesentlichen) schwarzen Display.

Bei den Energiespareinstellungen für die Sportmodi findet sich (neben FusedTrack) auch eine Einstellung, um die Landkartendarstellung stets aktiv zu halten, das allerdings verbraucht massig Batterie.

Always-On Display und Benachrichtigungen

Was man allerdings über diese Immer-an-Displays wissen sollte: Sie verhindern, dass Benachrichtigungen automatisch angezeigt werden.

Man bekommt immer noch die Vibration und/oder den Ton, der darauf hinweist, wenn die Uhr so eingestellt ist, diese zu nützen, aber man muss sein Handgelenk drehen oder die Uhr antippen (wiederum, je nach Einstellung) um die Benachrichtigung angezeigt zu bekommen.

Manchmal hat das seltsame Auswirkungen, z.B. dass eine Autolap-Benachrichtigung im Hintergrund des Immer-an-Displays aktiv war und, wenn man die Uhr eigentlich dreht, um sich Daten anzusehen, angezeigt wird.

Wie immer bei WearOS muss man sich an gewisse solche Eigenheiten gewöhnen und sehen, was für einen selbst am besten funktioniert – und wie es alles funktioniert.

Ich muss zugeben, ich kam damit bis an einen Punkt, wo ich dachte, dass die Handgelenkdrehung für Benachrichtigungen einen Fehler hätte – bis ich dann endlich draufgekommen war, in die betreffenden Einstellungen zu sehen… wo diese Funktion in einem der Softwareupdates deaktiviert worden war. Upps!

WearOS System H MR2

Um die Details dieses Updates ziemlich komplett beschrieben zu haben, sollte ich auch erwähnen, dass dieses Update die WearOS-Systemversion H, in ihrer MR2-Stufe, beinhaltet.

In dieser Systemversion findet man*

  • Ein Update des Batteriesparmodus, bei dem nur die Zeit angezeigt wird, wenn die Batterie unter 10% Ladung fällt (von dem denke ich allerdings, dass die Suunto 7 es nicht verwendet, zumindest wenn man eines der “Power Save”-Watchfaces von Suunto verwendet, dass ständig den praktisch selben Effekt bringt… und ausserdem gibt es von Suunto ohnehin ein eigenes Watchface für geringen Batterieladungsstand)
  • Höhere Effizienz des Uhrverhaltens, wenn man sie abnimmt: wenn die Uhr nur irgendwo liegt, dann wechselt sie nach 30 Minuten in einen tiefen Schlafmodus, der Batterie spart
  • Smarte Wiederaufnahme von App-Verwendung, bei der Apps wieder an der Stelle starten (sollten), wo man sie verlassen hat
  • Shortcut für das Ausschalten (oder Neustarten) der Uhr durch Halten des Power-Knopfs. (Das ist hier der Knopf links. Hält man ihn für ca. 1 Sekunde, startet sich der Google Assistant; hält man den Knopf etwas länger, kommt man zum Menü zum Ausschalten oder Neustart der Uhr.)

Dieses System beinhaltet auch den Händewasch-Timer (der auch als Watch Tile verfügbar ist) und den neuen Wetter-Watch Tile*.

(*So heisst es zumindest.
Es soll mit diesem Update auch ein neues, einfacheres, Pairing und On-boarding geben, also schnellere und simplere Verbindung und Ersteinrichtung einer neuen WearOS-Uhr, schnelleres App-Startup, intuitivere Kontrolle – aber das meiste davon scheint noch nicht verfügbar zu sein – genau so, wie auch dieser neue Wetter-Tile anscheinend noch nicht da ist..
Dennoch *ist* das das H MR2 System, die Version die Google vor kurzem als im-Kommen angekündigt hat…)

In Zukunft soll “das beste von Android 11” auch auf WearOS zu finden sein, und von Qualcomm gäbe es einen neuen Chipsatz für Smartwatches, der noch einmal bessere Batterielaufzeiten verspricht. Keine Ahnung, was davon auch von Suunto kommen wird, aber es bleibt jedenfalls spannend!

In der Zwischenzeit wollen wir uns weiter dem widmen, was wir schon haben und wie man das Beste daraus herausholt!

Videos und Artikel zu Erfahrungen mit der Routennavigation und mit FusedTrack sind im Anmarsch!

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4 Kommentare

  1. Frank

    Hallo Gerald,

    danke für den wirklich exzellenten Einblick!

    Ich habe zwar mit Suunto nichts am Hut, schiele aber immer wieder mal von der Polar-Scholle auf diesen Hersteller.
    Was mir noch “fehlt”, ist ein Kompaß am Arm – Polar bietet an der Vantage V ja keinen. – Okay, ich brauche ihn nicht so oft, aber hin und wieder. Tief im Wald oder im unbekannten Kleinstadt-Straßen-Dschungel denke ich dann: “Wenn ich jetzt schnell mal auf den Kompaß schauen könnte…” (…müsste ich nicht schon wieder mein Smartphone rausholen.)
    Mein Suunto-Handkompass ist recht groß und oft habe ich keine Lust, ihn zu benutzen.

    Navi mache ich über Google Maps und Smartphone. Nach Deinem Beitrag hier habe ich das Gefühl (Wenn ich es richtig verstanden habe…) , dass die Suunto 7 genau das Gleiche macht, nur in winzig (auf dem Uhrendisplay). 😉

    Generell ist die Su7 kein Thema für mich, da ich die Akkuleistung unterirdisch finde. Da bin ich ja kaum gestartet, schon ist der Akku alle.
    Wie Du schon schreibst: “…nichts für ernsthaftes Sporttraining.”

    Sportliche Grüße
    Frank

    • Tja, das ist WearOS… wobei eben die 5-9 Stunden jetzt schon ein wenig besser sind. Da fehlt dann aber den allzu-ernsthaften wieder die Unterstützung für HR-Gurt oder Stryd, mit der die Batterie wiederum in 2-3 Stunden leer wäre.

      Mit dem Thema Kompass und Polar kann ich aber vielleicht helfen: Probier mal aus, dem Sportmodus, in dem du gerne den Kompass sehen würdest, die Kompass-Ansicht in der Sportmodus-Anpassung hinzuzufügen (in der App). Ich komme nie dazu, das auszuprobieren, aber so sollte es möglich sein, den Kompass jederzeit während des Laufens / Wanderns (wo auch immer man es halt dementsprechend anpasst) zu sehen.

  2. Frank

    Hallo Gerald,

    die Polar Vantage V hat keine Kompass-Ansicht. Was die hat, das nennt sich “Back To Start”.
    Das ist ein Richtungspfeil, der der Luftlinie zum Startpunkt sowie die Entfernung nach dorthin anzeigt. Man kann diese Ansicht nutzen, um (ohne Kompass) zum Start zurück finden.
    Ich nenne sie auch die “Take-me-Home-App”. 🙂

    Beste Grüße
    Frank

    • Die kenne ich natürlich. Komisch; ich bilde mir ein, ich hätte mal gelesen, dass man die Kompass-Ansicht … Ah. Der Kompass (als eigener Bildschirm) war mir auf der Grit X abgegangen, und auf der kann man ihn als eigenen Bildschirm hinzufügen. Das war’s!

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