Die verschiedenen Pfade des Kumano Kodo werden in zahlreichen Angeboten für geführte Wanderungen angepriesen. Wer allerdings ein erfahrener Wanderer ist und nur nach einer gut nutzbaren Beschreibung des Trails und GPS-Daten sucht, um sich selbst auf den Weg zu machen, der hat es schwieriger.

So jedenfalls ging es mir; dementsprechend will ich hier gerne aushelfen.

Zuerst allerdings bedarf es einer kleinen Einführung…

Der Kumano Kodo

DIe wortwörtlich “alten Wege” von Kumano sind ein Netzwerk an Pilgerwegen auf der Kii-Halbinsel, der grössten Halbinsel im Süden von Japans grösster Insel, Honshū. Was bekannte Plätze angeht, ist der Ort wohl am besten damit erklärt, dass die Gegend südlich von Kyoto und Osaka liegt.

Die Gegend ist hügelig und bewaldet, mit einigem an Landwirtschaft im Umfeld, einigen Siedlungen, aber auch einer weithin wilden Landschaft. Ein ziemlicher Kontrast zu dem urban-entwickelten Japan also, das die meisten von uns kennen.

Gleichzeitig ist diese Wildnis eine kulturell-spirituelle Landschaft von so langer Bedeutung, dass die “Heiligen Stätten und Pilgerwege des Kii-Gebirgszugs” 2004 von der UNESCO zum Welterbe erklärt wurden.

Anders gesagt, absolut der interessante und ungewöhnliche Ort zum Kennenlernen einer Wildnis, die keine Wildnis ohne menschlichen Einfluss ist, sondern eine heilige spirituelle Landschaft.

Der Status als Dualer Pilger

Für den Vielwanderer mit kulturell-spirituellem Interesse ist es vielleicht besonders motivierend, dass der Kumano Kodo auch ein anderes Netzwerk an Pilgerwegen darstellt: Der Kumano Kodo und der Camino de Santiago (Jakobsweg), die einzigen zwei Pilgerwege mit Welterbe-Status, verleihen Pilgern, die beide Wege gewandert sind, den Status als Dualer Pilger.

(Für den Camino de Santiago bedarf es dafür der letzten 100 km zu Fuss oder 200 km per Fahrrad; am Kumano Kodo, der einen oder anderen Sektion.)

Die Nakahechi Route

Die beliebteste Route mit der ‘edelsten’ Geschichte ist die Nakahechi-Route von Tanabe (oder eigentlich, Takijiri) zum Hauptschrein von Hongu Taisha und weiter zu Nachi Taisha (und Hayatama Taisha).

Die Geschichte dieses Wegs ist ‘edel’ da er, schon seit dem 10. Jahrhundert, der Pilgerweg war, den Pilger aus der kaiserlichen Familie, von Kyoto (der damaligen Hauptstadt) kommend, nahmen.

Teil 1 des Nakahechi: Takijiri nach Hongu Taisha

Tanabe/Takijiri, der Anfang des Wegs

Oft hört man, der Nakahechi started in Tanabe City.

Auf gewisse Art ist das richtig: Man wird von Kyoto oder Osaka mit dem Kuroshio-Zug nach Tanabe City fahren (wenn man mit dem Zug fährt, eh klar).

Dort, gleich aus dem Bahnhofsgebäude hinaus nach links, findet man eine Touristeninfo, wo man gleich einmal Informationen über den Trail, Karten und das Büchlein, um Stempel zu sammeln und mit ihnen zu zeigen, dass man den Weg wirklich gegangen ist, erhalten kann.

In diese Richtung wird man mit einiger Sicherheit wollen, denn dort ist auch die Haltestelle für den Bus zu den verschiedenen Ortschaften und Tempeln, unter anderem nach Takijiri und damit zum Anfang des Nakahechi-Trails.

In Takijiri, gleich von der Bushhaltestelle über die Strasse und den Fluss blickend, ist dann das Kumano Kodo Information Centre, wo man auch wieder alle notwendigen Informationen bekommen kann, ebenso wie einen Überblick über den Weg und seine Geschichte – auch wenn man sich natürlich im Vorhinein informieren sollte, wie eben hier in diesem Eintrag möglich.

Über die Strasse direkt beim Infocenter hinüber steht dann auch der Markierungsstein für den Anfang (und Welterbestatus) des Nakahechi sowie Takijiri-oji, der erste Schrein am Weg (und der erste Stempel für den Pilgerpass 😉 ).

Welterbe-Markierung am Anfang des Nakahechi in Takijiri

Welterbe-Markierung am Anfang des Nakahechi in Takijiri

Ein bisschen weiter hinunter fängt dann auch der Trail an, sofort den Berg hinauf… und so geht es weiter.

So findet man den Trail und seine Markierungen

Gleich hoch den Trail von Takijiri-oji gibt es ein kleines, beispielhaftes Problem.

Dort kommt man an eine Felsengruppe und kann durch ein Loch zwischen diesen durch – oder rundherum, wenn man nicht durch das Loch kriechen kann oder will (wie ich es wegen meines Rucksacks nicht gekonnt hätte). Für diesen Fall sagen eine Karte wie auch Markierungen, wo man *nicht* auf dem richtigen Weg ist – aber der richtige Weg ist etwas schwer zu sehen.

Ich bin schlussendlich einfach irgendwo dort hinauf gegangen, wo ich wusste, dass der Weg sein müsste.

Insgesamt allerdings muss man sagen, dass es kaum Probleme gibt. Solange man auch nur irgendeine Erfahrung darin hat, Bergwegen zu folgen, wird man den Kumano Kodo finden. In regelmässigen Intervallen gibt es Markierungen, an Kreuzungen stehen Markierungen für den Weg, und oft findet man am Anfang der falschen Wege, an Abzweigungen, auch Markierungen, die sagen, wo man *nicht* am Kumano Kodo wäre.

Also, schon damit sollte man nicht vom Weg abkommen, hat man auch noch ein GPS-Track auf einem entsprechenden Gerät, dann schon gar nicht.

Wegpunkte am Nakahechi

Die (nun ja, einige wesentliche) interessante Punkte am Nakahechi, von Takijiri-oji nach Kumano Hongu Taisha, sind:

  • Takijiri-oji

    Takijiri-oji

    Takijiri-oji

  • Nezu-oji (km 0.5)
  • Tsurugi Sutrahügel (km 1.1.)
  • Aussichtspunkt (km 1.6)
  • (Kreuzung bei km 2.4)
  • Takahara (km 3.9)

    Takahara

    Takahara

  • Daimon-oji (km 5.7)

    Daimon-oji

    Daimon-oji

  • Jujo-oji (km 7.2.)
  • Uwadawa-jaya (km 9.2)
  • Osakamoto-oji (km 11)
  • Michi-no-eki Pausenareal (km 11.8)
  • Gyuba-doji (km 12.6)

    Gyuba-doji

    Gyuba-doji

  • Chikatsuyu-oji (km 13.3)

    Chikatsuyu-oji

    Chikatsuyu-oji

  • Hisohara-oji (km 15.7)
  • Tsugizakura-oji (km 16.8)
  • Nakagawa-oji (km 17.8)

    Nakagawa-oji

    Naka(no)gawa-oji, etwas Umweg, dort auch hinauf zu gehen

  • Kobiro-oji (km 19.8)
  • Waraji-toge Pass (km 20.9)Waraji-Toge Pass
  • (Holzbrücke, km 21.7)
  • (Umleitung, Pass, km 22.7)
    -> Seit einem Taifun im Jahr 2011 ist ein Riss im Berghang nahe Iwagami-oji. Der Weg vermeidet diesen, indem er einen Umweg über einen Pass im Süden davon nimmt.
  • Jagata-jizo (km 25.5)
  • Yukawa-oji (km 26)Yukawa-oji
  • Mikoshi-toge Pass (km 26.8)
  • Akagi-goe Kreuzung (km 29.7)
  • Hosshinmon-oji (km 31)

    Hosshinmon-oji

    Der Haupt-Schrein von Hosshinmon-oji

  • Mizunomi-oji (km 32.7)

    Bei Mizunomi-oji

    Im Regen, knapp vor Mizunomi-oji

  • Fushiogami-oji (km 34.7)

    bei Fushiogami

    Morgendämmerung vor Fushiogami

  • Sangen-jaya (35.7)
  • Kumano Hongu Taisha (km 37.8)

    Eingang zu Hongu Taisha im Blick

    Erster Blick auf das Torii am Eingang zum Hongu Taisha

Die Oji-Schreine

Vielleicht ist ja schon in der Liste an Wegpunkten das “oji” aufgefallen – und es wäre tatsächlich sogar noch öfter zu finden.

Oji sind nämlich die untergeordneten Schreine der Haupt-Schreine des Kumano Kodo, der Kumano Sanzan (wörtlich “Drei Berge”), Hongu Taisha, Nachi Taisha, und Hayatama Taisha. In diesen Oji hausen nach japanischer Tradition “Kinder-“Gottheiten der Kami (der Götter) in den Haupt-Schreinen, welche die Pilger auf ihrem Weg beschützen und leiten.

Von den Oji heisst es, es gäbe Kyu-ju-kyu Oji, also Neunundneunzig Oji, womit einfach eine Vielzahl derselben gemeint ist.

Es gibt tatsächlich, schon alleine am Nakahechi zwischen Takijiri und Hongu Taisha, noch wesentlich mehr dieser Schreine sowie anderer Gedenksteine und Ruinen als oben in der Liste an Wegpunkten erwähnt sind (so lange diese Liste schon ist).

Fünf der Oji-Schreine gelten als besonders wichtig (bekannt als die Gotai Oji), davon liegen zwei, Takijiri-oji und Hosshinmon-oji, auf dem Teil des Kumano Kodo / Nakahechi, den wir hier betrachten.

Trail-Bedingungen

Es gibt Abschnitte auf asphaltierten Strassen vor Takahara, vor allem von knapp vor Chikatsuyu bis Kobiro-oji, zwischen Hosshinmon-oji und Mizunomi-oji und vom halben Weg zwischen Mizunomi-oji und Fushiogami-oji (und dann bei Kumano Hongu Taisha).

Ansonsten verläuft der Weg komplett auf Trails, mit sehr variablem Untergrund, teils auf einfachen Waldwegen, manchmal mit vielen Steinen und Wurzeln.

Höhenprofil

Der Nakahechi ist nicht gerade der schlimmste Bergpfad, aber sein Auf und Ab sollte man nicht unterschätzen. Über die Länge von rund 40 km gibt es immerhin 2000 Meter Auf- wie auch Abstieg.

Nakahechi Höhenprofil

Das Profil hier kommt von der fantastisch informativen, aber zum Teil etwas verwirrend komplizierten, Website des Tanabe City Kumano Tourism Bureau

Hongu Taisha und der Status als Pilger

Der Hongu Taisha ist der wesentliche Schrein des Kumano Kodo, das Allerheiligste, wenn man so will. So lange man diesen Teil des Kumano Kodo von Takijiri-oji (oder anderen Orten) hierhin gewandert ist, so gilt man als Pilger.

In meinem Fall, wie man wohl an den Fotos bemerken kann, war dies eine etwas spezielle Pilgerfahrt, im Verlauf von weniger als 24 Stunden und über Nacht… und ich wollte eigentlich weiter nach Nachi Taisha. In neuer Taifun war jedoch herangezogen, das Nieseln in der Nacht, als ich mich in mein Biwak zurückgezogen hatte, war zu Starkregen geworden, und so fuhr ich stattdessen gleich nach Osaka.

Wer will, kann in Kürze mehr über die Erfahrung dieser super-schnellen Pilgerwanderung auf www.zhangschmidt.com erfahren (und auch per Video sehen) und auf www.chilicult.com über meine weitere Gewürz-Pilgerschaft lesen.

Gut, wie sich mein GPS-Track für diesen Streckenabschnitt des Nakahechi herausgestellt hat, werde ich auch den Track für den Weg von Hongu Taisha zu Nachi Taisha online stellen.

Vor all dem aber, noch kleine Eindrücke von Hongu Taisha:

Hongu Taisha

Hongu Taisha

GPS-Tracks

Die Nakahechi-Route auf Movescount findet man hier, von dort lässt sie sich auch als gpx oder kml exportieren.