Immer eine – wenn nicht die – Frage beim Thema Sport-/Outdooruhren: Welche ist denn nun besser?

Die Antwort ist tatsächlich nicht so klar, wie viele das gerne hätten. Es liegen oft, selbst wenn es um solche scheinbar eindeutigen Dinge wie die Messung der zurückgelegten Strecke angeht, verschiedene Ansätze vor, die zu ziemlichen Differenzen führen können.

Umso mehr möchte ich an Beispielen zeigen, was und wie von der Garmin fenix 5X bzw. von verschiedenen Suunto-Modellen aufgezeichnet und dargestellt wurde…

GPS-Aufzeichnungen, Garmin vs. Suunto

Natürlich die wesentliche Funktion von GPS-Sportuhren, neben der Navigation: die Messung und Aufzeichnung zurückgelegter Strecken.

Beispiel 1: 25k, Flachland, Feld-Wald

Zuerst einmal, ein Blick auf die Landkarte. Google MyMap, darin importiert die Tracks von einer Garmin fenix 5X (in Blau) bzw. Suunto Spartan Ultra (in Gelb), getragen an verschiedenen Handgelenken.

Das Gelände hier ist flach mit ein paar Hügeln, meist offen, teilweise bewaldet. Also, sehr gute Bedingungen für GPS.

Hier ist der Einfluss der unterschiedlichen Position der jeweiligen Uhren wohl noch der grösste Faktor; man findet etwas von dem typischen Unterschied, der sich ergibt, wenn man eine Uhr links und die andere Uhr rechts trägt.

Es ist wahrscheinlich auch so, dass die fenix 5X tendenziell mehr GPS-Punkte aufzuzeichnen scheint und damit etwas weitere Bögen aufzeichnet, wo ich enge Kurven gelaufen bin, während die Suunto Spartan diese eher als dieselben Punkte wie rundum hinausrechnet.

Screenshot aus der oben eingebetteten Landkarte mit Vergleichs-Tracks, fenix 5X bzw. Spartan Ultra

Screenshot aus der oben eingebetteten Google (My)Map. Die “Ausreisser” rechts oben bin ich so gelaufen; die fenix 5X zeigt v.a. den ersten, hin-und-zurück gehenden als etwas weiter an als die Spartan. Die “Uneinigkeiten” zwischen den beiden Uhren, v.a. als es in bewaldetes Gebiet geht, sind typisch für GPS-Probleme, zudem wenn die Uhren eben an unterschiedlichen Handgelenken getragen werden.

Die fenix 5X kam auf dieser Strecke auf:

  • 25,34 km Distanz
  • 426 m bergauf, 427 m bergab

Die Spartan Ultra:

  • 25,46 km
  • 370 m bergauf, 381 m bergab

Beispiel 2: Italienische Städte

Eine sehr spezielle Herausforderung für GPS sind Städte, gerade auch solche wie in Italien, mit engen Gassen… Hier hätte unter Umständen GLONASS etwas geholfen, ich habe meine Strecken allerdings “nur” mit GPS aufgenommen.

Ich habe mir erlaubt, hier alle Vergleichsstrecken in eine Karte zu packen, man muss also hineinzoomen und auswählen, welche man sehen will: meinen Morgenlauf in Rom, den Sightseeing-Spaziergang durch Florenz oder den Morgenlauf in Florenz…

Auf ein paar Details will ich aber explizit eingehen:

Rom, um den Vatikan und weiter

Screenshot mit Überblick des Morgenlaufs in Rom aus der oben eingebetteten Google (My) Maps-Karte

Screenshot mit Überblick des Morgenlaufs in Rom aus der oben eingebetteten Google (My) Maps-Karte

Grundsätzlich gar nicht so schlecht; beide Uhren haben so ihre Probleme, zu genau darf man auf solchen Strecken nicht schauen, dafür gibt es zu viele Störfaktoren, aber man sieht schon, wo es entlang ging und könnte schwer sagen, ob nun das eine oder das andere Stück Technologie wirklich konsequent besser abgeschnitten hat.

Von besonderem Interesse finde ich den Abschnitt zwischen Faro degli Italiania d’Argentina und Chiesa di Sant’ Onofrio al Gianicolo, entlang der Strecke weiter östlich, die vom Süden wieder nach Norden verläuft.

Im genaueren Blick auf diesen Teil der Strecke (siehe unten) sieht man erstens einmal wieder, das bei einem normalen Streckenverlauf eher schon das Handgelenk, an dem man die Uhr trägt, einen grösseren Effekt hat als sonst etwas.

Man sieht auch das typische Thema, dass die fenix 5X einfach mehr Punkte aufzeichnet, auch wenn man sich wenig bewegt: Die Stelle südlich des Faro degli Italiani d’Argentina, an der es etwas hin-und-her geht, da hatte ich eine Zeitlang gestanden und den Sonnenaufgang aufgenommen.

Der Punkt weiter nördlich davon, wo es noch einmal so ähnlich aussieht?

Dort hatte ich die Navigation an der fenix 5X eingeschaltet. Diese hat mich ziemlich gut auf den Wegen gezeigt (was man dem aufgezeichneten Streckenverlauf nach gar nicht unbedingt denken würde) und geleitet, aber mit einem komplizierten Wegeverlauf mit vielen Kurven (eben gleich dort) auch Probleme gehabt bzw. bereitet, wie im Eintrag über die Navigation (unter den potentiellen Problemen/Negativa) erwähnt.

Gleich am Anfang nämlich, eben an jenem Punkt, wo es noch einmal rund ging, da hatte ich nicht so recht gewusst, wo sie mich eigentlich entlang leiten wollte…

Screenshot mit Ausschnitt aus der oben eingebetteten Google (My)Maps-Karte

Screenshot mit Ausschnitt aus der oben eingebetteten Google (My)Maps-Karte

f5x: 8,41 km, 136 m bergauf, 138 m bergab

SSU: 8,07 km, 116 m bergauf, 126 m bergab

(Wer übrigens sehen möchte, wie ein solcher Lauf aussieht: Das lässt sich hier im Videoformat miterleben.)

Florenz, spazierengehend

Hier zeigt sich über-deutlich, dass die fenix 5X zumindest weniger filtert als die Spartan Ultra und dadurch bei langsamer Bewegung und durch GPS-Signalreflektionen in Probleme gerät.

Gleich am Anfang (im Südwesten) zeigt mich die fenix 5X plötzlich in einem Park, wo ich allerdings nicht war; sie hat dort wohl ein gestörtes Signal empfangen. Bei Santa Maria del Fiore (dem Duomo) im Nord(ost)en des Spaziergangs verbrachte ich längere Zeit, ging zum Fotografieren einiges Hin-und-her, und die fenix hat eben wesentlich mehr und weiter auseinanderliegende Punkte aufgezeichnet als die Spartan Ultra.

Man merkt allerdings auch, wie schwierig eine Situation wie jene in Florenz mit seinen engen Gassen grundsätzlich für den GPS-Empfang ist; die Streckenaufzeichnungen beider Uhren springen ziemlich gewaltig herum…

Screenshot der oben eingebetteten Google (My)Maps-Karte mit GPS-Tracks vom morgendlichen Sightseeing in Florenz

Screenshot der oben eingebetteten Google (My)Maps-Karte mit GPS-Tracks vom morgendlichen Sightseeing in Florenz

f5x: 5,49 km

SSU: 4,72 km

Florenz, laufend

Interessant ist dieses Bild eines Morgenlaufs in Florenz, zu einem nicht zu unterschätzenden Teil entlang derselben Strassen wie beim Spaziergang am Tag zuvor und im Bild oben: Das Tempo war hier wohl doch etwas höher, es ging auch weniger an derselben Stelle hin-und-her – und schon ist die Aufzeichnung eine wesentlich besser aussehende.

Screenshot aus der oben eingebetteten Google (My) Maps-Karte mit Track des Morgenlaufs in Florenz

Screenshot aus der oben eingebetteten Google (My) Maps-Karte mit Track des Morgenlaufs in Florenz

Überdeutlich besser ist diese Aufzeichnung, wenn man die hier gemessenen Distanzen (und den Unterschied) mit jenen des Spaziergangs oben vergleicht…

f5X: 5,77 km

SSU: 5,80 km

Signalreflektionen oder sonstwie schlechter Empfang haben allerdings auch hier wieder einigen Effekt und betreffen die fenix 5X hier doch ziemlich eindeutig stärker als die Spartan Ultra.

Beispiel 3: Ab in die Berge

Meine liebste Strecke für Uhrentests konnte ich natürlich nicht auslassen, wie schon im Video zur Navigation gesagt und zu deren Beschreibung genutzt.

Hier nun auch die Vergleichsdaten – die diesmal wesentlich komplizierter sind, weil ich auf dieser Strecke gleich mit vier(!) Uhren unterwegs war 😉

Hier war ich also unterwegs mit Garmin fenix 5X und Suunto Ambit3 Peak am linken Arm, Suunto Spartan Ultra und Spartan Sport WHR Baro am rechten Arm, alle ein paar Centimeter voneinander getrennt, um hoffentlich keine Interferenzen mitgemessen zu haben.

Viel Spass beim Versuch zu erkennen, was hier denn nun exakter gewesen wäre.

Aber. Hier wird wiederum eine höhere Empfindlichkeit / geringere Filterung auf der Garmin deutlich; sie zeichnet Punkte als getrennt voneinander liegende Positionen auf, welche bei Suunto wohl noch als Messfehler ausgesondert werden und kommt damit auf… Tja, schwer zu sagen.

Vielleicht folgt sie den engen Kurven auf so einem Trail dadurch ein wenig besser nach, vielleicht nimmt sie dadurch aber auch nur mehr fehlerhafte Punkte auf.

Screenshot mit Ausschnitt aus der oben eingebetteten Google (My) Maps-Karte mit GPS-Tracks von vier Sportuhren

Screenshot mit Ausschnitt aus der oben eingebetteten Google (My) Maps-Karte mit GPS-Tracks von vier Sportuhren

Eindeutig ist jedenfalls auch hier wieder die Trennung nach linkem/rechtem Arm; bei dem Streckenabschnitt genau über dem “Google MyMaps”-Schriftzug sieht man schön, wie die Suunto-Uhren filtern, während die fenix 5X einen Zick-Zack aufgezeichnet hat.

Dieser Unterschied im Herangehen hat logischerweise grossen Einfluss auf die schlussendlich aufgezeichnete Streckenlänge, wie schon beim Spaziergang in Florenz (der allerdings auch noch mehr Stopps beinhaltete) gesehen:

  • fenix 5X: 8,07 km; 772 m bergauf, 807 m bergab
  • SSU: 7,13 km; 804 m bergauf, 825 m bergab
  • SSWHR Baro: 7,61 km; 822 m bergauf, 833 m bergab
  • Ambit3 Peak: 7,36 km; 765 m bergauf, 800 m bergab

Man sieht schon, hier gab es einige Streuung an Messwerten. Glaubt man den Höhenprofil-Daten der Ambit3 Peak, dann hat die fenix 5X hier sehr gut gemessen, die Spartans weniger. In der Streckenlänge allerdings hat, wie schon angekündigt, die fenix 5X ein ziemlich abweichendes Resultat von den Suunto-Uhren produziert, die sich zumindest einiger sind…

(In der Analyse der gpx-Dateien auf MyGPSFiles war dieser Unterschied noch deutlicher; dort kommen dann Werte von 7.6 km von den Spartan-Modellen, 7.7 km laut der Ambit3 Peak, aber 8,6 km von der fenix 5X heraus. Die Höhenprofile dort variieren allerdings nur zwischen 757 m bergauf für fenix 5X und Ambit3 Peak, 762 m für WHR Baro und 768 m laut Spartan Ultra bzw. 790-794 m bergab auf fenix 5X, SSU, A3P und 774 m laut WHR Baro.)

Fazit?

Schwierig, hier ein Fazit zu ziehen.

Die fenix 5X hat bei so ziemlich all meinen Tracks mehr mit Fehlsignalen zu kämpfen als die Suunto-Uhren und folgt wohl einem anderen Ansatz, was Aufzeichnungsraten bzw. -filterung angeht, so dass Strecken von ihr tendenziell als länger, weil stärker im Zick-zack gehend, aufgezeichnet werden.

Ob das jetzt allerdings einfach als fehlerhaftes GPS abgetan werden sollte oder auf mäandernden Trails in den Bergen, weniger in Städten mit engen und kurvenreichen Gassen, nicht doch seine Vorteile hat, will ich nicht beurteilen müssen; im Zusammenspiel mit der Kartenanzeige jedenfalls relativiert sich das Problem, denn dort wurde ich typischerweise an der richtigen Position angezeigt, wann immer ich einen Blick darauf warf…