Die fenix 6X Pro Solar ist – solange man nicht die Luxuslinie “Marq” mitzählt – das Topmodell von Garmin.

Garmin Deutschland gab mir die Möglichkeit, diese Uhr für ein Monat auszuprobieren, und sie war eine der besten Sport- und (einigermassen) smarten Uhren, die ich ausprobiert habe – und eine Uhr, die ich gerne wieder zurückgeschickt habe…

Die fenix 6X-Linie ist auch schon wieder eine Weile am Markt; dementsprechend nehme ich nicht an, dass irgendjemand einen Überblick über ihr gesamtes Menü von mir bräuchte.

Leute haben um Vergleiche, vor allem mit der Suunto 7, gebeten, aber ich finde, dass diese nicht viel Sinn machen würden.

Ich will also meine Eindrücke von der Uhr vermitteln, meine Probleme mit ihr erklären und im Laufe dessen wohl ohnehin darauf hinweisen, wie die fenix 6X Pro im Vergleich zu anderen Uhren, die ich in letzter Zeit nutze, so ist.

Die fenix 6X Pro Solar als Uhr

Als Uhr hat die fenix 6X Pro einige Vorzüge. Sie ist – insbesondere in dieser Version, mit Titan und Saphirglas – so gebaut, dass sie viel aushalten kann, zugleich aber klare Linien hat. Sie ist gross und macht Eindruck.

Mir persönlich ist das allerdings auch einer der Punkte, wo sie Schwächen zeigt, denn der Eindruck ist weder so “taff” für die rauhe Natur, noch so elegant-und-doch-stark, wie er sein könnte.

Die Schnellverschlussbänder von Garmin sind allerdings immer noch welche der besten überhaupt, auch wenn ich nicht denke, dass man Uhrbänder ständig wechselt.

Funktionen der fenix 6X Pro Solar

Was Funktionen angeht, ist die fenix 6X Pro Solar der Höhepunkt des “Packen wir einfach alles hinein”-Ansatzes von Garmin. Existiert eine Funktion auf einer aktuellen Sport- bzw. Outdooruhr, dann hat diese fenix diese Funktion wahrscheinlich auch.

Sport-Tracking, Navigation mit topographischen Karten auf der Uhr, Pulsanalyse bis hin zu Firstbeat-Algorithmen für Stress- und Erholungstracking im Alltag per Herzfrequenzvariabilität, Schlafanalyse, Sauerstoffsättigung, Garmin Pay und Musikkontrolle und Benachrichtigungen…

Die Liste ist schier endlos (was genau der Grund ist, warum ich hier nicht im Detail auf sie eingehen will; es gibt schon genug Reviews und Walk-throughs dazu); die Uhr macht es einem damit einfach, zu wissen, was man für sein Geld bekommt.

Die Widget Glances sind auch ein sehr gelungener Teil des UI

Meine Kritikpunkte

Wer immer nur in einer Region unterwegs ist, in einer Sprache kommuniziert – was wahrscheinlich auf die meisten Garmin-Kunden zutrifft – für den werden meine Probleme mit ihr wohl nie zum Thema werden.

Der Preis, den Garmin für eine fenix 6X Pro Solar verlangt, gemeinsam mit der langen Liste an Funktionen, macht diese Probleme für mich allerdings nur deutlicher.

1. Deine Region, Deine Sprachen

Erstens einmal, betrachtet man das grundlegendste an Smartwatch-Features, Benachrichtigungen: Garmins Betriebssystem unterstützt nur die Sprachen, die Garmin für richtig für die jeweilige Region, wo man die Uhr kauft, hält.

Mein(e) Garmin-Modell(e) sind alle für den EU-Markt, also gibt es Unterstützung für Englisch, Deutsch, Italienisch, Spanisch, Französisch, slawische Sprachen. Es scheint möglich, selbst einige wenig gesprochene Sprachdateien zu installieren.

Ich habe aber in China gearbeitet und kommuniziere immer wieder auf Chinesisch. Chinesisch-Unterstützung?

Doch nicht auf einer Uhr, die nicht für den Asien-Pazifik-Markt bestimmt war.

Frage an den Kundendienst, warum es kein Fontset für Chinesisch gibt, als könne jemand ausserhalb von China / APAC unmöglich in dieser Sprache kommunizieren können… unfreundlichste Antwort aller Zeiten.

Es soll legale Gründe geben? Hallo, nicht für Sprachanzeige.

Es geht doch nicht? Komisch, die Uhren der meisten anderen Hersteller haben damit keine Probleme.

Ich kann verstehen, dass man Chinesisch nicht als Systemsprache unterstützen will (also, mit allen Menüs in Chinesisch) wenn die Uhr nicht für den chinesischen Markt bestimmt ist. Das machen auch andere Marken so – aber sie unterstützen Benachrichtigungsanzeigen (grossteils) trotzdem.

Bei Garmin, da werden nur die Kästchen angezeigt, die zeigen, dass hier ein Charakterset fehlt.

Chinesisch? Eine EU-Garmin versteht davon nichts

Landkarten auf der Uhr… wenn man nicht reist

Ganz ähnliche Situation mit den Landkarten.

Natürlich, dieses Thema ist ein schwieriges; ein Unternehmen würde zum Beispiel wohl keine Gebühren für topographische Karten von überall zahlen wollen, wenn die meisten Nutzer ohnehin nicht aus ihrer jeweiligen Region weg kämen.

Diese zu installieren würde auch nur unnötig Speicherplatz kosten. Für viele Regionen gäbe es wahrscheinlich gar keine Landkarten.

So ist es ganz okay – und doch nervig – dass ein EU-Modell wie das von mir genutzte nur eine (sehr) grundlegende Weltkarte im Speicher hat, (angeblich) grossartige topographische Karten nur für die EU.

Landkartenanzeige auf einer Garmin

US-Landkarten etwa könnte man sich wohl kaufen, wenn mich nicht alles täuscht. Landkarten für und in China sind sowieso oft ein heikles Thema.

Es ärgert aber doch, denn die Landkarten von Mapbox sind frei nutzbar und funktionieren wirklich gut; Viewranger hat auch eine Menge zu bieten.

Seine teure Garmin aber mal bei einem Rennen in China verwenden? Dafür kann man die Landkarten-Funktionalität vergessen.

Garmins Zukunftsproblem

Garmin hatte eindeutige Vorteile gegenüber den anderen Outdoor-/Sportuhr-Marken, darin, dass deren Betriebssystem diese Vielfalt an Funktionen besitzt, von denen viele sehr beliebt sind.

Wo sie Bugs haben, da sind die Kunden die vielen kleinen Updates, die einige Bugs beheben, manchmal neue Probleme produzieren und ab und an Funktionen hinzufügen so gewöhnt, dass es keine Beschwerden darüber gibt, dass die Uhren ohne bestimmte Features auf den Markt gebracht würden, die Leute schon von Anfang an haben wollten.

Das klingt wohl grossartig. Es sorgt auch dafür, dass die meisten Garmin-Uhren sofort vertraut erscheinen, weil sie im Wesentlichen dasselbe Layout an Knöpfen und dieselbe Bedienung nützen.

Mein Problem, das sich an der Garmin fenix 6X besonders zeigte: Damit fühlen sich die Uhren aber auch alle irgendwie gleich an.

Die Instinct und die Forerunner 945 (um auf die zwei Modelle hinzuweisen, die ich auch nutze – und mit meinem eigenen Geld gekauft habe, um sie ausprobieren und hier präsentieren zu können) sind auch nicht so anders.

Sie sind allerdings in ihrer Zielgruppe eindeutiger und bieten, meiner Meinung nach, ein wesentlich besseres Preis-Leistungs-Verhältnis.

fenix 6X Pro im Vergleich zu Forerunner 945

Und noch einmal mehr kommt das Zukunftsproblem zum Vorschein, weil Landkarten mit einem Touchscreen so viel einfacher zu bedienen wären.

So wie die Dinge funktionieren, muss man eine ziemliche Fingerakrobatik mit mindestens drei der fünf Knöpfe praktizieren, wenn man bloss die Landkarte etwas verschieben will – und verdeckt dabei regelmässig auch noch die Anzeige. Und dann stellt man auch noch fest, dass manche der Zoom-Levels nicht so sonderlich nützlich sind.

Garmin scheint hier ein wenig in einer Sackgasse festzusitzen.

Ihr System ist so weit entwickelt und den Nutzern so vertraut geworden, dass Änderungen schwer zu verkaufen sein werden.

Neue Funktionen und neue Bedienungsführungen werden aber, früher oder später, notwendig sein… und eine Menge Arbeit brauchen, intern in der Entwicklung wie auch in der “Kundenerziehung”, um Käufer an neues zu gewöhnen.