Zeit für ein paar Vergleichsdaten und deren Diskussion.

Diesmal, Herzfrequenz (Puls), gemessen mit dem “altmodischen” Pulsgurt bzw. per optischer Herzfrequenzmessung.
Mit dem Elevate-Sensor einer Garmin fenix 5X versus einer Suunto (Spartan Ultra bzw. einmal Ambit3 Peak) und Movesense-Pulsgurt versus Suunto Spartan Sport WHR Baro und deren Valencell oHR sensor.

Lasst die Spiele beginnen… und alle Hoffnung fahren. Hoffnung auf Ergebnisse die halb so wissenschaftlich werden, wie eine so Wissenschafts-nahe Sache es suggerieren würde.

Garmin fenix 5X oHR vs. Suunto Spartan Ultra Pulsgurt

Sind meine Läufe und Spaziergänge in Italien, die sehr schön die Probleme mit dem GPS-Empfang in dichtbebauten alten Städten gezeigt haben, noch in Erinnerung? Ich habe diese auch für den Vergleich von Herzfrequenzdaten genutzt…

Rom, Mein Herz

 

Hier ist wohl eine niedrigere Aufzeichnungsrate (oder ein stärkeres Glätten der Daten) auf der fenix 5X zu bemerken, aber das ist nicht gerade ein Problem. Gewisse Ausrutscher in der Aufzeichnung, wo der HF-Gurt niedrigeren Puls gemessen hat, sind bemerkbar (etwa bei 30′ und 47′); diese scheinen für oHR-Sensoren recht typisch.

Alles in allem würde ich sagen, dass die Herzfrequenz, qualitativ betrachtet (nicht statistisch analysiert) nicht so schlecht aussieht, bedenkt man die Limits dieser Technologie.

Firenze, Andante

Der Spaziergang in Florenz fand das GPS ziemlich unruhig. Und den Puls?

Weniger auf-und-ab beim Gehen könnte es dem oHR-Sensor leichter machen. Aber weniger Anstrengung, niedrigere Herzfrequenz, kein Schweiss?

Nun ja, leichter scheint das für das oHR nicht gewesen zu sein. Allerdings war es wohl auch nicht ideal für eine Pulsgurt-aufgezeichnete Herzfrequenz, die wirklich aussagekräftig wäre.

(Der Pulsgurt sollte allerdings doch den Vorteil haben, dass damit Herzfrequenzvariabilität gemessen und als Indikator für den Erholungszustand genutzt werden kann. Andererseits allerdings ist es nicht gerade das angenehmste, mit einem Pulsgurt um die Brust spazieren zu gehen. Für eine schnelle Einschätzung, ob dieser Spaziergang nun mehr oder weniger intensive Bewegung war, ist oHR viel angenehmer und, trotz der Ausschläge nach oben, im Durchschnitt ganz okay. Diese Ausrutscher sind allerdings schon bemerkenswert.)

Firenze, Adagio (Lauf)

Noch einmal schneller durch Florenz, auf einem frühmorgendlichen Lauf, während eine Erkältung sich anbahnte. Und jetzt?

Der oHR-Sensor schien zumindest den Anfang dieses Laufs nicht sehr gemocht zu haben. Probleme am Anfang einer Aufzeichnung sind allerdings nichts ungewöhnliches, und später wurde die Aufzeichnung jener vom Pulsgurt ja auch ähnlicher.

Die Ähnlichkeit zwischen den Aufzeichnungen ist allerdings auch hier wieder nur so, dass sich wohl eine statistisch durchschnittliche Ähnlichkeit zwischen den Aufzeichnungen ergeben würde, würde man diese öfter machen und dann mitteln. Exakt gleiche Ergebnisse scheinen aber eher nicht erwartbar.

Man sollte hier allerdings auch bedenken, dass es um Unterschiede geht, die meistens nur um die 5 Herzschläge ausmachen. Wer da also würde wissen wollen, welche der Aufzeichnungen nun wirklich die exaktere ist, der müsste wohl mit einem medizinischen EKG (oder einem mit dafür ebenfalls geeigneter Technologie) laufen und über die Ergebnisse eine statistische Analyse machen.

Schon der Gedanke daran treibt meinen Puls höher als die Pulsdifferenz zwischen Brustgurt- und oHR-Aufzeichnung war.

Berge an Puls

Und, wie wäre es einmal mit einer langen Wanderung mit anstrengenden Anstiegen und holprigem Bergab (und schlechtem Wetter)? Und das ganze neben der Garmin fenix 5X und einer Ambit3 Peak auch noch mit einer Suunto Spartan Sport WHR Baro und deren optischem Herzfrequenzsensor aufgezeichnet?

Garmin fenix 5X oHR vs. Suunto Ambit3 Peak (mit Pulsgurt) vs. Suunto Spartan Sport WHR Baro… mit einem Dankeschön an Franck Largeault für Hilfe mit der Analyse

Nun ja.

Das Resultat ist ein Bild dessen, warum Herzfrequenzaufzeichnungen, so einfach sie erscheinen mögen, gar nicht so einfach zu evaluieren sind.

Sieht man sich den Anfang der Aufzeichnung an, dann zeigt die (blaue Linie der) fenix 5X klar mehr Probleme; Pulsgurt (hier verbunden mit einer Ambit3 Peak) und die oHR-basierte Aufzeichnung der Spartan Sport WHR Baro sind hier näher zusammen.

Sähe man sich diesen Bereich im Detail an, so wäre das allerdings ein grossartiges Beispiel dafür, wie man mit Daten lügen kann: Würde man nur die zwei Suunto zeigen, dann würden deren Aufzeichnungen wohl soweit auseinander liegen, wie jene der fenix und Spartan in den Beispielen oben.

Später in der Aufzeichnung gibt es weitere Beispiele für ziemlich andere Resultate vom Elevate-Sensor der fenix 5X und den zwei Suunto. Es gibt allerdings auch genug Beispiele, wo fenix und Ambit3 Peak Pulsgurt sich gut überschneiden, die Spartan Sport WHR Baro (grüne Linie) dafür andere Werte lieferte (wie etwa am Anfang des letzten Drittels).

Nun, tut leid, aber das ist es, was Wissenschaft schlussendlich wäre: Statistische Auswertung. Nicht auf Eindrücken basierende Präsentationen wie hier 😉

“Welche Herzfrequenz-Aufzeichnung ist besser?”

Was also kann man aus den Werten hier lernen?

Die Lektion ist dieselbe wie üblicherweise bei Empfehlungen für herzfrequenzbasiertes Training:

Wer ernsthaft pulsorientiertes Training machen will, mit Intervallen, HIIT, Training in der Kälte, der nehme einen Herzfrequenz-Brustgurt. Dies insbesondere, wenn man von seinem Gerät auch noch Herzfrequenzvariabilität-basierte Daten ausgewertet bekommen kann. Ansonsten sind keine Daten wahrscheinlich besser als schlechte Daten.

Wer nur einfaches, leichtes Training ausüben will, nach ein wenig Hilfe dabei, es nicht zu übertreiben, sucht, für den ist ein oHR immer noch gut. Damit bekommt man wenigstens Daten, die man ansonsten gar nicht so bequem erhalten hätte. In diesem Fall, solange man nicht sein ganzes Trainingsprogramm auf Herzfrequenzdaten aufbaut, die man genau analysieren möchte, sind durchschnittlich gute Werte immer noch besser als gar keine.

Und die ewig-gleiche Frage, ob denn nun Suunto oder Garmin besser wäre?

Ich werde sehen, ob ich noch mehr Daten rund um die oHR-Leistung habe oder sammeln kann; ich werde wohl auch einmal zwei Pulsgurte vergleichen, um sicher zu gehen – aber eine Entscheidung für die eine oder andere Sportuhr würde ich nicht aufgrund der (angeblichen) Datengenauigkeit treffen, insbesondere, wenn es um Herzfrequenz, ganz besonders von einem oHR-Sensor, geht…