Der Oura Ring ist, etwas unerwartet, zu einem meiner liebsten Wearables für Gesundheits- und Aktivitätstracking geworden.

In diesem Eintrag möchte ich einige der Daten, die er liefern kann, zeigen und mit Daten von anderen Geräten vergleichen.

Wie schon im Titel angemerkt sind diese anderen Geräte die Polar Vantage V, Garmin Forerunner 945 und Fitbit Charge 3.

Schritte

Fangen wir einfach an, mit dem beliebtesten und seltsamsten Indikator für Aktivität im Tagesverlauf: Schritten.

Schritte: Oura Ring vs. Fitbit Charge 3

Der Fitbit Charge 3 ist vielleicht die offensichtlichste Konkurrenz zu einem Tracker wie dem Oura Ring, beide sind schliesslich mehr für Gesundheitsbewusste als für den Sport gemacht.

Insgesamt war die Schrittzählung von den zwei Gerätchen sehr ähnlich.

Der eine Tag mit einem grossen Unterschied war jener, an dem ich länger als eine Marathonstrecke gelaufen war, so dass Unterschiede in der jeweiligen Schrittzählung sich leicht summieren konnten.

Schritte: Oura Ring vs. Garmin Forerunner 945

Garmins Forerunner 945 ist viel mehr für Fitness und Sport ausgelegt.

Interessanterweise zeigt sich hier ein grösserer Unterschied in der Schrittzählung (und diese zwei Geräte hatte ich dabei am selben Arm, während ich den Charge 3 anders als den Oura Ring rechts getragen hatte).

Einmal abgesehen vom zweiten Tag der Aufzeichnung hier – was wiederum dieser Tag mit dem Marathon-Lauf war – ist die Differenz an Werten wenigstens konsistent. Es gab also unterschiedliche Werte, aber zumindest ähnliche Messung meiner Aktivitätsniveaus (und ähnliche Trends).

Interessant allerdings, dass der Oura Ring auch hier (im Vergleich) niedrigere Werte misst, wenn mein Aktivitätsniveau höher ist, dafür mehr, wenn ich mich nur alltäglich bewege.

Schritte: Oura Ring vs. Polar Vantage V

Mit der Polar Vantage V sind wir auch bei einer Uhr, die für Läufer und Fitness-/Sport-Enthusiasten gedacht ist.

Die Schrittzählung hier ist ganz spannend. Es sieht gut aus, dass Oura Ring und Vantage V öfter praktisch dieselben Werte gemessen haben – aber die anderen Tage mit Unterschieden lassen die Aufzeichnung insgesamt weniger konsistent aussehen.

Die Trends sind aber dennoch nutzbar genug, jedenfalls für diese ohnehin seltsame Masszahl für Aktivitätsniveaus.

Schlaf

Immer mehr Wearables haben (auch) eine Schlafaufzeichnung und -einschätzung; Schlaf wird zunehmend als wesentlicher Bestandteil der Erholung betont.

Natürlich wird dem also immer mehr Aufmerksamkeit geschenkt. Der Oura Ring ist auf Daten über und um den Schlaf fokussiert (ebenso wie zur HRV – im Schlaf) – und er ist mit Abstand der bequemste Wearable für Schlaf-Tracking.

Schlafzeiten: Oura Ring vs. Fitbit Charge 3

Bei der Schlafdauer ist zu beachten, dass der Oura Ring “Zeit im Bett” und “Schlafdauer” (ohne Wachphasen) unterscheidet.

Der Fitbit Charge 3 zählt nur eine Schlafzeit insgesamt – und wie man hier sehen kann, ist das im Wesentlichen gleich der Zeit, die man im Bett verbringt.

(Man könnte auch noch Schlafphasen und deren Aufzeichnung betrachten, aber das möchte ich in diesem Beitrag lieber sein lassen.)

Die Zeiten, zu denen ich zu Bett gegangen bzw. aufgewacht bin, die wurden von Oura Ring wie Fitbit Charge 3 sehr ähnlich gemessen.

Schlafzeit: Oura Ring vs. Garmin Forerunner 945

Praktisch dasselbe Bild wie vom Fitbit Charge 3 auch vom FR945 von Garmin: Die Gesamt-Schlafdauer ist im Wesentlichen dasselbe wie die “Zeit im Bett”, die der Oura Ring misst.

Nicht wahnsinnig überraschend sind Bettzeit und Aufwachzeit wieder sehr ähnlich.

Schlafzeit: Oura Ring vs. Polar Vantage V

Interessanter der Vergleich von Oura Ring und Polar Vantage V, die beide zwischen Zeit im Bett und Schlafdauer (ohne Wachphasen bzw. Störungen) unterscheiden:

Einmal abgesehen von den offensichtlichen Unterschieden ist der Trend in diesen Aufzeichnungen ähnlich…

Aber, das gibt erst recht Anlass zu Fragen:

Die Schlaf(zeit)aufzeichnungen der Vantage V zu Zeit im Bett bzw. tatsächlichem Schlaf zeigt nur zu ähnliche Unterschiede. Würde ich immer gleich lange zum Einschlafen brauchen, dann wäre das gut – aber ich bezweifle das.

Der Oura Ring scheint hingegen nur zu schnell darin, mich im Bett zu sehen und nur zu empfindlich, was das Zählen von Wachphasen (und damit auch der “Latency”, der Zeit bis zum Einschlafen) angeht.

Ich hatte allerdings einige Nächte, wo ich zum Einschlafen einige Zeit gebraucht habe, so dass ich der Analyse vom Oura Ring hier eher Glauben schenken kann.

Dafür, zu glauben, dass der Oura Ring nicht ganz falsch liegt, sondern empfindlicher ist, gibt es auch einen anderen Grund:

Die Zeiten, zu denen ich zu Bett gegangen bzw. aufgewacht sein soll, sind (bis auf den interessanten Unterschied am 3.4.) nämlich sehr konsistent gemessen worden.

Schlaf-Score: Oura Ring vs. Polar Vantage V

Oura Ring wie Polar Vantage V geben auch eine Masszahl dafür, wie gut (erholsam) der Schlaf gewesen sein soll:

Gewisse Unterschiede sind in den Werten natürlich zu finden (was man auch erwarten sollte, sie werden schliesslich nicht dieselben Algorithmen teilen), aber sie sind ganz schön ähnlich.

Ruhepuls

Die Herzfrequenz in Ruhe ist ein guter Indikator für Gesundheitszustand bzw. Stress, und man würde denken, dass dieser Wert leicht zu messen sein sollte – aber so einfach sind die Dinge doch nie…

Ruhepuls(e) per Oura Ring vs. Garmin FR945

Erste Komplikation: Welcher Ruhepuls denn eigentlich, während des Tages oder im Schlaf? Und Absolutwerte oder Durchschnittswerte?

Oura Ring und Garmin Forerunner 945 liefern beide sowohl niedrigste als auch durchschnittliche Werte für den Ruhepuls… allerdings nicht dieselben.

Die Trends sind im Wesentlichen ähnlich, auf jeden Fall wenn man nur ein Gerät betrachtet; die Unterschiede sind spannend – aber nicht unbedingt einfach zu interpretieren.

Der absolute Ausreisser, wo der Oura Ring wesentlich höheren Ruhepuls gemessen hat als der FR945, lässt mich allerdings zum Oura Ring neigen:

Das war nämlich der Tag nach meinem Marathon-Lauf, wo eine solche Störung meines Herz-Kreislauf-Systems absolut Sinn macht.

Ruhepuls(e) per Oura Ring vs. Polar Vantage V

Die Vantage V ist auch wieder ein wenig anders; sie zeigt nämlich einen Ruhepuls im Schlaf und einen Ruhepuls untertags.

Hier ist der Vergleich allerdings sehr angenehm – oder zumindest die Annahme, dass der niedrigste Ruhepuls per Oura Ring und die “niedrigste Herzfrequenz in Ruhe” der Vantage V im Wesentlichen denselben Wert meinen. – So jedenfalls sieht das aus.

(Ansonsten sehen diese Werte/Masszahlen nicht vergleichbar aus.)

Fazit?

Kann man von solchen Vergleichen ernsthafte Schlüsse ziehen?

Es sieht ganz so aus, als würde der Oura Ring an Tagen mit aussergewöhnlich hoher sportlicher Belastung weniger Aktivität (weniger Schritte) “sehen” als die anderen Wearables.

Andererseits scheint er in Schlafanalyse und möglicherweise Herzfrequenzmessung empfindlicher zu sein (was ein Vorteil oder ein Problem sein kann, ganz sicher bin ich mir dessen nicht).

Das alles klingt allerdings gut, schliesslich ist der Oura Ring das einzige unter den Geräten hier, das nicht für Sportanalyse, sondern für Aktivitäts- und Schlaftracking sowie (HRV-basierte) Interpretation der “Readiness” (Leistungsfähigkeit) gedacht ist.

Kein einzelnes Wearable kann als *das Beste* für alles herauskommen; sie alle erfüllen einen Zweck, wenn man sie sinnvoll einsetzt… aber für das Quantified-Self-Tracking, für das der Oura Ring gedacht ist, gefällt mir, was man hier von ihm sehen kann.