Eines der wesentlichen (neuen) Features der Polar Grit X als Outdoor-fokussierter Uhr ist Hill Splitter, womit Bergauf- und Bergab(teil)läufe aufgezeichnet und analysiert werden.

Also, sehen wir uns das genauer an!

Polar erklärt:

Hill Splitter™ ermittelt deine Leistung auf den Streckenabschnitten bergauf und bergab. Hill Splitter™ erkennt Aufstiege und Abstiege automatisch anhand deiner Geschwindigkeits-, Distanz- und Höhendaten und barometrischen Höhendaten per GPS. Du erhältst für jede erkannte Steigung auf deiner Strecke detaillierte Einblicke in deine Leistung: Distanz, Geschwindigkeit, Aufstieg und Abstieg.

Polar

In meiner Nähe habe ich nichts höheres als Hügel. Es gibt allerdings Strecken, die ganz gutes Auf-und-ab ergeben, zumindest wie ein Treppenlauf, also sehen wir mal!

Ich werde auch einen Blick auf diese Funktion in den Bergen werfen wollen, aber diese kleinen Höhenänderungen machen es erst recht spannend, wann und wie Bergauf- und Bergabstrecken erkannt werden!

Das Höhenprofil

Hier ist einmal das Höhenprofil für diesen Lauf, mit fünf Runden auf derselben Strecke:

Leicht erkennbar, dass es je einen längeren Bergaufteil am Anfang und Ende des Anstiegs mit zwei kleinen Hügeln dazwischen gibt, gefolgt von einem ziemlich konstanten und “langen” Bergab zurück nach unten.

Was macht Hill Splitter daraus?

Hill Splitter während eines Laufs

Während man unterwegs ist, wird auf der Polar Grit X eine eigene Ansicht der Trainings-Displays für Hill Splitter genutzt.

Diese Ansicht zeigt die Distanz und die Höhenmeter bergauf bzw. bergab während dieses Bergauf- bzw. Bergabstücks, die aktuelle Pace und die aktuelle Zahl des Bergauf- bzw. Bergabstücks.
(Flache Abschnitte werden unten in dieser Ansicht auch als solche angezeigt, aber nicht nummeriert durchgezählt.)

Polar sagt, dass es einen Höhenunterschied von 10 Metern braucht (bzw. 15 Meter bei Abfahrtssportarten wie Skifahren und Skitouring) damit die Uhr einen Hügel zählt; es wird allerdings nicht erklärt, über welche Distanz.

Hill Splitter soll allerdings die jeweils aktuelle Trainingseinheit in Betracht ziehen und kleine Bergauf-/Bergabstreckenteile von Läufen im flachen zählen, nur grössere Bergauf/Bergab bei Aktivitäten mit grösseren Höhenunterschieden.

Auf dieser Strecke gibt es zwischen den Anstiegen kleinere Auf-und-Ab, wo die Grit X nur eine “Flach”-Strecke sieht, aber 20 Meter Aufstieg über 140 Meter (nach diesem flachen Abschnitt) werden schon als Bergauf gezählt.

Das wird genauer ersichtlich, wenn man sich die Daten in Polar Flow im Web ansieht.

Die “Alle Hügel”-Ansicht in Polar Flow (Web)

Trainingseinheitsanalysen für Aufzeichnungen mit der Grit X sind im Wesentlichen genau wie jene von einer Vantage – aber neben den “Runden”, “Automatischen Runden” und “In Runden geteilt” Ansichten gibt es hier eben auch die Einteilung in “Hügel”.

Um die Einteilung in “Hügel” klarer zu machen, habe ich in eine der Runden (die erste) hineingezoomt und die verschiedenen Streckenabschnitte, wie Hill Splitter sie einteilt, farblich markiert:

Hügeliges Flachland-Splitter

Dieser genauere Blick zeigt klarer, wie das Auf-und-Ab der zwei Hügel zwischen den Aufstiegen einerseits vom Höhenmesser registriert wird, also genug An- und Abstieg dafür hat.

Darum eben wird es im Höhenprofil als zwei Hügel angezeigt – eh klar.

Andererseits aber geht es nicht weit bzw. hoch genug, um die “Hügelerkennung” von Hill Splitter auszulösen.

Mit 300 Metern Distanz wird es allerdings als lang – und dazu ausreichend flach – im Unterschied zu den Anstiegen davor bzw. danach (mit 360 m Länge und 30 m Anstieg bzw. 140 m Länge und 20 m Anstieg) erkannt, um diese als zwei separate Bergaufstrecken zählen zu lassen.

Ähnlich läuft es mit den 12 bis 40 m (je nachdem, welche Runde man betrachtet) am obersten Punkt, welche schon ausgereicht haben, um als “flacher” Abschnitt zwischen dem letzten Bergaufstück und dem Downhill gezählt zu werden.

Konstantes Bergab

Der Bergab-Abschnitt – wie am Höhenprofil erkennbar – ist so konstant, dass jeder dieser Downhills als ein zusammenhängender Abschnitt gezählt wurde.

Damit finden sich in jeder Runde hier zwei Bergaufteile (mit flachen Abschnitten davor, dazwischen – sonst wären es ja auch keine zwei Bergaufs – und danach) und einem Downhill.

Distanzen je ‘Hügel’

Auch – gerade auf so einem kurzen Lauf – interessant finde ich es, was für Daten pro Runde aufgezeichnet wurden und wie die sich so unterscheiden.

Einmal, in der Distanz:

Die Distanzen je “Phase” liegen durchaus in ähnlichen Bereichen, aber sind schon ziemlich gestreut.

  • Uphill 1 wurde im Schnitt als 357 m lang gemessen, mit einer durchschnittlichen Abweichung von 14,7 m. Die gemessene Distanz lag zwischen min 330 m und max 379 m.
  • Flach 1: 307 m, 8 m Abweichung.
    Min 294 m, max 322 m.
  • Uphill 2: 152 m, 12,8 m Abweichung.
    Min 135 m, max 169 m.
  • Flach 2: 29,6 m, 11,7 m Abweichung.
    Min 12, max 41 m.
  • Downhill: 680 m, Abweichung 26,6 m.
    Min 648, max 747 m (wobei das Maximum in der letzten Runde war und die 100 m zurück von dem Punkt, wo ich mich zuvor immer umgedreht hatte, zu meinem ursprünglichen Startpunkt mitgezählt hatte).

Nun ja… So etwas könnte eine statistische Analyse über mehr Daten gut brauchen.

Zum Beispiel ist das, was ich oben als “Flach 2” angebe, dieser Abschnitt mit den zwei kleinen Hügeln, die vom Höhenmesser erkannt aber nicht von Hill Splitter gezählt werden.

Will heissen, das ist ein kurzer Abschnitt mit einem seltsamen (auf-und-ab-und-auf) Verlauf. Da ist leicht verständlich, dass es grössere Unterschiede in der gemessenen Distanz geben kann (und alles mit 3D-Distanz noch einmal anders – oder nur noch mehr verwirrt – aussehen könnte).

Aufstieg/Abstieg auf den “gesplitteten” Hügeln

Hill Splitter ist natürlich auch für den Blick auf die Höhenmeter im Bergauf und Bergab gut…

Das ergibt ein wunderbares Beispiel dafür, wie viel genauer ein barometrischer Höhenmesser im Gegensatz zur GPS-Distanzmessung (geschweige denn GPS-Höhenmessung, meines Wissens nach) ist.

Durchschnittswerte und durchschnittliche Abweichungen vom Mittelwert hier sind kaum der Erwähnung wert – und damit umso mehr erwähnenswert:

  • Uphill 1: 29,8 m Höhenunterschied, Abweichung 0,7 m
  • Uphill 2: 22,2 m Höhenunterschied, Abweichung 0,6 m
  • Downhill: 52,4 m Höhenunterschied, Abweichung 0,7 m

Vergleicht man Aufstieg und Abstieg pro Runde findet man dasselbe Resultat, einen Unterschied von maximal 3 Metern in den individuellen Werten und nur 1-2 m Unterschied in deren Vergleich insgesamt.

Unten habe ich auch noch die Höhenprofile der individuellen Runden (wie man am Slider dafür erkennen kann) in Polar Flow herangezoomt und zusammengestückelt.

Was gewusst – und noch angesehen – gehört

Eine grosse Frage zum Hill Splitter ist, inwiefern diese Funktion ausserhalb von Trainingssituationen helfen wird.

Überhaupt könnten die Dinge in den Bergen wieder etwas anders aussehen – und zwischen verschiedenen Einheiten, zum Beispiel schon alleine, wenn Wetteränderungen die (barometrische) Höhenaufzeichnung etwas verzerren könnte.

Ich frage mich auch, wie sinnvoll es bei Bergläufen sein wird, eine automatische Unterteilung in Bergauf- und Bergabstrecken zu bekommen.

Nach diesem Hügellauftraining allerdings muss ich schon sagen, dass ich diese Funktion mehr mag, als ich gedacht hatte, als Neuigkeit und für etwas an Einsichten.

Für Analysen ist Hill Splitter gut – und das ist auch, wo Polar Stärken hat.

Mit Polar Flow im Web und als App, den Möglichkeiten für Analyse und der Hilfe, welche das System für Training mit verschiedenen Phasen, Trainingspläne und all dem bietet, da gibt es hier einiges zu mögen, genauer anzusehen und gut zu nützen.

Für einen Berg-Ultramarathon, zudem in Verbindung mit Navigation, scheint Polar noch immer nicht so viel zu bieten. Da scheinen andere der bekannten Sport-/Outdooruhrmarken ihre Vorzüge auszuspielen.

Aber, sehen wir mal, was dafür geboten wird und womöglich noch werden könnte.

Ach, wer wissen möchte, wie die Daten, die ich auf diesem Lauf mit einer Vantage V und eben einer Grit X aufgezeichnet habe, im Vergleich aussehen – das ist hier zu finden.