Die Polar Grit X ist für Outdoor gemacht, besonders für die Berge. Nach einem schnellen ersten Lauf im Flachen wollte ich darum auch gleich einmal zu ein paar Hill Repeats, um auch davon einen ersten Eindruck zu bekommen.

Hinweis vorweg: Ich vergleiche hier immer noch Daten von Polar Vantage V (getragen am rechten Handgelenk) und von Polar Grit X (getragen links), plus jene von der Polar BEAT App auf meinem Samsung Galaxy S9, verbunden mit dem Polar H10 Herzfrequenzgurt.

Vergleiche mit anderen Uhren von anderen Marken werden später, nach und nach, kommen.

Es gibt auch einen Blick darauf, wie Hill Splitter solche Hügelläufe interpretiert und solche Hügellaufdaten interpretieren hilft, hier.

Höhenmessung

Polar Grit X und Vantage V sind beide mit einem barometrischen Höhenmesser bestückt. Beide auto-kalibrieren die Seehöhe auch, am Anfang einer Trainingseinheit, per GPS (und bieten keine Möglichkeit, die Seehöhe zuerst manuell einzustellen).

Hier hat die Auto-Kalibrierung sich entweder nicht aktiviert oder nicht funktioniert; die Vantage wird auf einer zu niedrigen Seehöhe angezeigt.

Insgesamt, einmal abgesehen von kleinen Unterschieden, finde ich die Höhenprofile zwischen den zwei Uhren bzw. über die 5 Runden (es waren fünf Runden auf derselben Strecke) ausreichend ähnlich.

Es gibt nur diesen einen deutlichen “Graben” in der dritten Runde auf der Vantage V, wo irgendwas passiert ist. Ich hatte keinen Ärmel über den Uhren, denke auch nicht, dass Schweiss auf den Sensor gekommen wäre – was die üblichen Erklärungen wären.

Sollten sich gewisse Seltsamkeiten daraus ergeben, dass die X-Achse hier die Dauer anzeigt (und ich in der letzten Runde langsamer war, denke ich jedenfalls), so sollten wir das auch nach Distanz betrachten:

Ich würde sagen, das ist nun nur noch ähnlicher.

Aufgezeichnete GPS-Tracks

Extra-klar lässt sich anhand der GPS-Tracks zeigen, dass dies wirklich fünf Runden auf derselben Route waren:

Die orangefarben gezeichnete Strecke, das ist das Smartphone.

Ich finde das ziemlich belustigend, meinen doch viele Leute, dass Smartphones sicherlich grosse Antennen und starke Batterien und darum ausgezeichneten GPS-Empfang hätten.

Nein.

Grit X und Vantage V zeigen immer wesentlichen nur den üblichen Offset, wenn man eben eine Uhr links, die andere rechts, trägt.

Wo ich mich rechtsherum wieder zurück gedreht habe, da sehen so die Tracks von der Vantage V enger beieinander aus…

Hier hingegen bin ich immer linksherum gelaufen, was der Grit X näher zusammenliegende Tracks verpasst. Ihre Tracks sind allerdings auch konsistenter, was dann doch von einem Unterschied im GPS-Empfang herrühren könnte.

Aufgezeichnete Distanzen sind, wie zu erwarten:

Polar Grit X: 8,08 km
Polar Vantage V: 8,15 km

70 Meter Unterschied auf einer Strecke von 8 km, das ist weniger als 1%. Nicht gerade etwas für eine Beschwerde.

Pace

Das ist seltsam… oder einfach zu erklären. Ich kann mich nicht daran erinnern, dass Pace überhaupt bei den von Polar exportierten Daten dabeigewesen wäre, und wahrscheinlich ist mit dem Datenexport noch immer etwas nicht ganz in Ordnung.

Jedenfalls produziert ein von Polar exportiertes .tcx in Quantified Self (das ich für Vergleiche und Analyse nutze) das folgende:

Selbst hineingezoomt sieht es so aus, als würde die Vantage V kaum Variation zeigen.

Vergleicht man allerdings die Graphen, die Polar Flow anzeigt, dann ist das wohl wirklich ein Problem mit dem Datenexport:

Hügel-Wiederholungen und ihre Pace, von Vantage V oben, von Grit X unten

Das sieht schon eher wie Pace-Aufzeichnungen aus – und auch wenn die Trends oft ähnlich sind, sieht das (wie oft von diversen Leuten beklagt wird), weniger gut für die Vantage V aus (besonders wenn man Runden miteinander vergleicht) als für die Grit X.

Power

Für diesen Lauf hatte ich auch den Stryd dabei… und der ist prompt gescheitert. Wir können aber immer noch ansehen, was für Power von Grit X bzw. Vantage V aufgezeichnet wurde.

Diese Graphen sehen, überraschenderweise (zum Beispiel in Anbetracht der Unterschiede in der Pace-Aufzeichnung), recht ähnlich aus. Ein genauerer Blick…

Das war jetzt nur die Aufzeichnung für eine (die zweite) Runde – weswegen ich auch das Höhenprofil anzeigen lasse.

Tatsächlich, die aufgezeichnete Power war ziemlich ähnlich.

Herzfrequenz

Die ersten Eindrücke der Pulsmessung per oHR, von meinem ersten einfachen Lauf mit Grit X und Vantage V, waren sehr gut für die Neue – und nicht schrecklich, aber auch nicht sehr gut, für die Vantage V.

Mit Hügeln kann die Sache allerdings anders aussehen…

… und das hat sie auch wirklich, zumindest teilweise.

Die Leistung des Precision Prime 2.0 auf der Grit X scheint immer noch besser als jene des oHR-Sensors der Vantage V – aber so nahe an der Herzfrequenz, wie sie vom Pulsgurt aufgezeichnet wurde, ist sie jetzt auch nicht immer.

Der genauere Blick auf die Daten von der zweiten Runde gibt vielleicht einen Hinweis, warum:

Mit dem Anstieg gehen die Kurven auseinander. Mein Puls steigt, der Pulsgurt misst das gut, die oHR-Sensoren werden verwirrt.

Mit dem Bergab wird die Sache besser. Schneller mit der Grit X, später aber durchaus auch mit der Vantage V.

Das scheint – glaube ich – über die ganze Trainingseinheit zu gelten:

Grit X oHR vs. Polar BEAT (H10) – plus Höhenprofilaufzeichnung
Vantage V oHR vs. Polar BEAT (H10) – plus Höhenprofilaufzeichnung

Definitiv ein besseres Resultat von der Grit X, aber ein ziemlich imperfektes. Und interessant, dass beim vorletzten Downhill und der letzten Runde alle Aufzeichnungen ziemlich gut waren.

Höhenprofil, oHR-Daten und H10-Pulsaufzeichnung der letzten Runde – grossteils gut

Um guten Fragen und blöden Kommentaren vorzubeugen: Ich trug beide Uhren so wie bei dem einfachen Lauf zuvor, in ähnlicher Lage, ähnlich eng (aber nicht zu eng).
Bei den Anstiegen musste ich mich nicht an meinen Knien emporstossen oder irgendwas spezielles tun.

Es könnte einen Einfluss gehabt haben, wenn ich meine Kamera während des Laufens gehalten habe, aber diese habe ich ständig zwischen links und rechts gewechselt.

Eher liegt es an irgendetwas, was mit dem Anfang der Anstiege zusammenhängt und den oHR-Sensoren Probleme bereitet.

Ein wenig sieht es so aus, als wäre alles vielleicht einfach eine Frage des Aufwärmens, aber ich war schon mit dem Fahrrad zum Startpunkt des Laufs gefahren, bezweifle das darum. Aber vielleicht.

Wie immer wären mehr Daten und statistische Analysen angebracht, um wirklich eine ernsthafte Meinung abgeben zu können. Jetzt und hier ist das ein reines n=1, auf mehr als eine Art.

Eine Person, ein Lauf – nichts, wovon man grossartig Schlüsse ziehen kann.

Sehen wir, dass wir zu mehr kommen!