Suunto 9, Polar Vantage V, Coros Apex im Vergleich: Prag Marathon

In dieser dritten Folge speziellerer GPS-Vergleiche verschiedener Sportuhren sehen wir uns den Prag Marathon an.

Diesmal in dieser Serie an Sportuhrleistungs-Vergleichen ist die Polar Vantage auf Firmware 3.2.10 gewesen, welche angeblich Verbesserungen der GPS-Genauigkeit enthält.

Na, wollen wir mal sehen.

Die Situation

Dieser Lauf hatte schön unterschiedliche Bedingungen zu bieten; nahezu ideal für einen Blick auf die GPS-Leistung der Sportuhren in einer der Situationen, in denen sie sicherlich viel genutzt werden:

Die Situation, eh klar, eben ein Marathon. Mit Kilometermarkierungen und all dem…

Die Bedingungen: Ein Start (und Ziel) inmitten einer Altstadt mit Häuserschluchten, einige Zeit auf vergleichsweise offenem Feld entlang und über einen Fluss, mehrere Wege, die hin-und-zurück verlaufen, ein paar Unterführungen und ein längerer Tunnel.

GPS-Tracks um den Tunnel. Gar nicht so schlecht...
GPS-Tracks um den Tunnel. Gar nicht so schlecht…

Perfekt also, um zu sehen, wie GPS sich hier nun anstellen wird.

Es war allerdings ziemlich kalt, also sollte optische Herzfrequenzmessung so ihre Probleme haben. Später im Lauf sind meine Hände mal wieder aufgetaut, aber es gab auch später im Lauf genug kalten Wind, um gut gekühlt zu sein.

Die getesteten Uhren

Für diesen Lauf/Test nutzte ich die Polar Vantage V (mit Firmware 3.2.10) alleine am linken Handgelenk, um sie in GPS-Empfang und oHR-Pulsmessung ungestört zu wissen.

Die Suunto 9 Baro machte ich wieder um meine linke Hand, so dass sie am Handrücken liegt; sie war auf der aktuellen öffentlich verfügbaren Firmware 2.6.54 und empfing die Herzfrequenzmessung von einem Polar H10 Pulsgurt.

Am rechten Handgelenk hatte ich die Coros Apex (eigentlich ein wenig zu weit unten am Handgelenk für gute oHR-Messung) auf ihrer zu dem Zeitpunkt aktuellen Firmware, v1.31.

Die Technologie beim Prag-Marathon
Die Technologie beim Prag-Marathon

Gleich darüber, eigentlich zu nahe für ungestörte Datensammlung von jeder der Uhren, war eine Test-Suunto mit Firmware 2.8

Diesmal waren alle Uhren (zumindest alle, die eine solche Einstellung erlauben – sprich: alle ausser der Vantage V) so eingestellt, dass sie nur GPS nutzen, kein GLONASS.

(Offenlegung am Rande, falls nicht bekannt: Ich bin einer von Suuntos externen Testern, daher diese Suunto-Uhren. Die Coros Apex ist auch vom Hersteller zum Testen und Reviewen – ohne Vereinbarungen oder Verpflichtungen. Die Polar Vantage V habe ich von meinem eigenen, kaum vorhandenen, Geld gekauft.
Meine Blogs sind erfolgreich genug, um knapp für ihren eigenen Serverplatz zu bezahlen, aber das war es auch schon. Falls jemand mich etwas unterstützen will, einfach einen Blick in die Sidebar werfen…)

Weiter im Lauf…

Die Marathon-Pacing-Situation

Um sicherzustellen, dass alle Uhren bereit wären, habe ich sie alle in den Trainingsmodus geschaltet, bald nachdem ich es endlich in meinen Startblock geschafft hatte. Eingeklemmt zwischen Häusern war der Blick zum Himmel dort ziemlich eingeschränkt, und es war ziemlich kalt. Dementsprechend waren Probleme mit oHR zu erwarten und brauchte es für eher schlechten GPS-Empfang so seine Zeit.

Um nicht an 4 Uhren zugleich auf der Startlinie herumdrücken zu müssen während wir schon am Laufen waren, habe ich alle Uhren etwa 4 Minuten vor der Startzeit und etwa 200 m vor der Startlinie gestartet.

Prag Marathon: GPS am Start (und im Ziel)
Prag Marathon: GPS am Start (und im Ziel)

Kilometermarkierungen und Autolaps

Aufgrund des früheren Starts der Aufzeichnung, der wahrscheinlichen Abweichungen von der Ideallinie und unterschiedlicher GPS-Algorithmen auf den Uhren mussten Unterschiede zwischen den offiziellen Kilometermarkierungen und den Autolaps jeden km auftreten.

Ausschnitt der GPS-Tracks ziemlich aus der Mitte des Prag Marathon - mit jenem Stück, wo die Coros Apex einmal "Wellen geschlagen" hat. Schön zu sehen ist der Unterschied zwischen dem GPS-Empfang auf den Brücken - mit freiem Blick zum Himmel! - im Vergleich zu sonst
Ausschnitt der GPS-Tracks ziemlich aus der Mitte des Prag Marathon – mit jenem Stück, wo die Coros Apex einmal “Wellen geschlagen” hat. Schön zu sehen ist der Unterschied zwischen dem GPS-Empfang auf den Brücken – mit freiem Blick zum Himmel! – im Vergleich zu sonst

Unterschiede

Diese Unterschiede sind mir zunächst recht konsistent vorgekommen, wurden mit der Zeit allerdings vor allem auf der Suunto 9, ein wenig auch auf der Polar Vantage, grösser.

Die Coros Apex, die oft als zu geringe Distanzen messend kritisiert wird, blieb bei 200 (bis max. 300, vielleicht einmal 400) Metern Abweichung von den Kilometermarkern auf der Strecke.

Bei Kilometer 17, zum Beispiel, hatte die Suunto 9 Baro 17.7 km gemessen, die Polar Vantage V zeigte 17.4 km und die Coros Apex 17.2 km.

Bei Kilometer 24 waren es 24,78 km auf der Suunto 9 Baro, 24,45 km auf der Polar Vantage V und 24,26 km auf der Coros Apex.

Schrittfrequenz und Distanz in graphischer Darstellung
Schrittfrequenz und Distanz in graphischer Darstellung; die Schrittfrequenz ist ziemlich gleich aufgezeichnet worden. Geschwindigkeit/Pace werden von Polar Flow natürlich gezeigt, aber leider nicht importiert, so dass ich sie nicht in Quantified Self vergleichen kann. Bei der Distanz sieht man eben auch hier, dass sie bei der Suunto 9 mit der Zeit schneller ansteigt.

Pacing per Distanz

Dieser zunehmende Unterschied hat bedeutet, dass die Suunto 9 gegen Ende des Marathons schon 41 km “erreicht” hatte, als wir erst an Kilometer 40 vorbeikamen – was nervt und für die Einteilung seiner Kräfte und Motivation nicht gerade gut ist.

Die Polar Vantage V war der tatsächlichen Distanz vielleicht einen halben Kilometer voraus, was zwar nicht ideal, aber auch nicht unerwartet wäre.

Die Coros Apex allerdings hat dort immer noch den Kilometerstand angekündigt, per Piep für die Autolap, der auch schon in Sichtweite war und gefühlsmässig Sekunden später wirklich erreicht war.

Gesamtdistanz

Schlussendlich wurden als Gesamtdistanz folgende Werte gemessen:

  • 43,35 km per Suunto 9 Baro
  • (42,98 km laut der Test-Suunto),
  • 42,83 km per Polar Vantage V und
  • 42,50 km laut Coros Apex.

Der Stryd-Footpod hat übrigens 42,42 km gemessen.

(Ich hatte den Stryd nur als Power-Pod mit der Suunto 9 Baro gekoppelt, so dass diese die Power anzeigen und aufzeichnen konnte, Geschwindigkeit und Distanz aber vom GPS kamen. Der interne Speicher des Stryd zeichnet aber auch die anderen Daten auf, die per “Offline Sync” in das Stryd-Powercenter geladen werden.)

Das bedeutet einen maximalen Unterschied zwischen den GPS-Uhren von 850 Metern (930 Metern zwischen Stryd und Suunto 9 Baro, wenn wir auch das beachten wollen). Verglichen mit den 42,195 km offizieller Marathondistanz oder den Werten der Uhren bedeutet das ca. 2% Unterschied. Nicht gerade schrecklich.

Vergleich mit dem Vienna City Marathon

Sehen wir uns die Werte vom VCM ein paar Wochen – und zumindest auf der Polar Vantage, von einer Version der Firmware – früher an… nun ja, dann ist es schwierig, aus diesen Daten Schlüsse zu ziehen. Ausser vielleicht, dass es eben schwierig ist, aus solchen Schnappschüssen an Daten Rückschlüsse zu ziehen.

Beim Vienna City Marathon zeigten alle Uhren ein paar mehr erkennbare Fehler im GPS-Track. Ich würde gerne sagen, dass dies wohl daran lag, dass Wien doch ein paar mehr Hochhäuser mit Glasfassade, die wohl das GPS-Signal reflektiert hat, hätte.

GPS-Problem beim Vienna City Marathon
Hier eben einer der Orte, wo in Wien eindeutig ein Problem mit dem GPS-Signal, und wahrscheinlich wegen dem Gebäude mit der Glasfassade dort, vorkam

Es gab allerdings in Wien auch grössere “Schlanker” in den GPS-Tracks, wo die Strecke eher offen war…

Die Unterschiede in den Gesamtdistanzen waren in Wien etwas näher zusammen gelegen, mit einem maximalen Unterschied von ~1%.

  • 42,92 km laut Polar Vantage V
  • 43,19 km laut Coros Apex und
  • 43,36 km laut Suunto 9 Baro.
  • 42,74 km hatte übrigens der Stryd-Footpod dort gemessen.

Interessanterweise hatte die Polar in Wien also die kürzeste Distanz gemessen, die Coros Apex war hier in der Mitte.

Stimmen wird es wahrscheinlich, dass ich in Wien etwas weiter gelaufen war, so wie der Marathon dort war.

Ich hatte erwartet, dass es in Prag – nicht zuletzt etwa bei der Überquerung der Karlsbrücke – wieder mindestens genau so viel Herumlaufen um andere Marathonteilnehmer geben würde. Das war aber überhaupt nicht der Fall. In Prag konnte ich viel öfter auf der Ideallinie laufen und musste nicht ständig um andere herum.

Woher das unterschiedliche Messverhalten der Uhren bei den zwei Marathons wohl kommt, ist dennoch eine rechte Rätselfrage…

Selber Sony GPS-Chip, Unterschiedliche Algorithmen

Dieses ganze Thema der Unterschiede zwischen GPS-Tracks ist vor allem darum so interessant, weil alle diese Uhren ein – wenn nicht dasselbe – GPS-Chipset von Sony verwenden.

Polar Vantage V

Im Fall der Vantage könnte der neue Algorithmus (die neue Firmware) für das GPS dafür verantwortlich sein, dass diesmal eine höhere Distanz gemessen wurde.

Die höhere Genauigkeit, die mit der neuen Firmware 3.2.10 gegeben sein soll, könnte eben vergleichsweise mehr Distanz zum Effekt gehabt haben.

Ziemlich offensichtlich jedenfalls ist, dass die Polar Vantage immer noch, wie schon mit älterer Firmware, so ziemlich jede Drehung oder jedes GPS-Signal, das eine Drehung widerspiegeln könnte, als Bewegung aufzeichnet, auch wenn man sich dabei tatsächlich nicht bewegt hat.

GPS-Tracks vom Start, noch einmal
Darum noch einmal dieses Bild, auf dem man eben die “Wanderung” des GPS-Tracks auf der Polar Vantage V gut sieht – die aufgezeichnet wurde, als ich nur wegen der Kälte im Startbereich auf und abwippte…

Das war sehr gut erkennbar bei dem GPS-Track am Anfang des Jahres, in den Bergen, den ich bisher (noch?) nicht zu dieser Serie hinzugefügt habe, weil dabei etwas ältere Firmware in Verwendung war.

Coros Apex

Die Apex ist immer noch ein wenig schwer einzuschätzen.

Seit diesem Marathon habe ich das Gefühl, dass sie Distanzen wohl doch nicht unterschätzt, sondern wahrscheinlich näher an den echten Distanzen liegt.

Auf jeden Fall hat die Apex die “saubersten” Tracks produziert, und sieht man sich an, wie sie z.B. die Tracks in Kurven aufzeichnet, so liegt das wohl nicht daran, dass sie einfach weniger Punkte aufzeichnet (wodurch weniger “Schlancker” sichtbar sein könnten, bloss weil Punkte nicht aufgezeichnet wurden, die bei den anderen Uhren schon aufgezeichnet wurden).

180-Grad Wendungen beim Prag-Marathon. Saubere Kurven, keine geschnittenen, von allen Uhren...
180-Grad Wendungen beim Prag-Marathon. Saubere Kurven, keine geschnittenen, von allen Uhren…

Suunto 9 Baro

Im Fall der Suunto 9 Baro ist es leider ziemlich eindeutig, dass sie Distanzen etwas zu lange misst, weil sie auf gerader Strecke hin-und-her schwankt.

Tracks, die eigentlich auf der Geraden aufgezeichnet wurden, zeigen ständige leichte Schlangenlinien, und ich gehe davon aus, dass sich diese Abweichungen zu der höheren Distanz summieren.

Die ganze Sache ist tatsächlich etwas seltsam, denn di eSuunto scheint viel besser darin zu sein, kleine, wahrscheinlich in der Realität inexistente, Drehungen in der Tracks auszufiltern, welche die Vantage sichtlich speichert. Schlussendlich aber zeigt die Suunto dann dennoch eine höhere Distanz als die Polar…

(Ich sollte den Eintrag zu der Wanderung in den Bergen wohl wirklich auch online stellen; dort war dieses Problem gut zu bemerken.)

oHR-Leistung

Genau wie beim Vienna City Marathon möchte ich mich auch hier auf GPS konzentriert haben… das allerdings sowohl aus persönlichem Wunsch, als auch weil oHR für mich einfach sehr schlecht zu funktionieren scheint, wenn die Wetterbedingungen nicht gerade perfekt dafür sind, die Läufe kürzer und anscheinend ein paar Götter mich segnen.

Man muss nur auf die Grafik sehen und wissen, dass die Suunto 9 meinen Puls von einem Polar H10-Brustgurt bekommen hat

Herzfrequenzaufzeichnungen vom Prag-Marathon: Ziemlich ungestört eigentlich, die Position der Polar Vantage V am linken Handgelenk, die Coros Apex eigentlich nicht in bester Lage, die Suunto 9 mit Signal vom Brustgurt
Herzfrequenzaufzeichnungen vom Prag-Marathon: Ziemlich ungestört eigentlich, die Position der Polar Vantage V am linken Handgelenk, die Coros Apex eigentlich nicht in bester Lage, die Suunto 9 mit Signal vom Brustgurt

Wie schon am Anfang erwähnt, war es am Start dieses Marathon ziemlich kalt, meine Hände hatten dort also sicher nicht genug Durchblutung. Das wurde später wesentlich besser, aber auch nur zeitweise – und man merkt es.

Das einzige klar bemerkenswerte an diesem Graphen (wie auch im Vergleich zum (o)HR-Profil vom Vienna City Marathon) ist, dass beide oHR-Geräte eine gegen Ende des Laufes sinkende Herzfrequenz aufgezeichnet haben, wo sich mein tatsächlicher Puls (wie auch vom HR-Gurt aufgezeichnet) öfter veränderte und insgesamt sicherlich erhöhte.

Der HR-Gurt ist hier sicherlich richtig, nicht nur, weil er bereits vielgetestete Technologie bedeutet, sondern auch, weil ich gegen Ende ein paar mehr Abschnitte ging und schlussendlich in das Ziel beschleunigte.

Frage:

Was soll ich denn als nächstes genauer ansehen?

Was solche Vergleiche angeht, denke ich, dass ein genauerer Blick auf Power-Daten (von Polar Vantage V versus Stryd) ganz interessant wäre…

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2 Kommentare

  1. Anonymous

    Vielen Dank, ein sehr spannender Bericht!
    Ab wann können wir mit mehr Details zur “Test-Suunto” rechnen?

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