Ein schöner Teil des Nutzens moderner Fitnesstracker wie des Fitbit Charge 3 oder von Sportuhren wie der Polar Vantage V liegt im 24/7-Tracking: Schritte bzw. Aktivität, Herzfrequenz, Schlaf…

Mit diesem ständigen Tracking weiss man schliesslich, wie aktiv man im Alltag war (auch abseits vom Training). Wie viel man geschlafen hat (und zunehmend, wie). Ob die Ruhe-Herzfrequenz sich verändert – und ein Anstieg kann darauf hinweisen, dass man krank wird.

Tägliche Aktivität hat auch einen wesentlichen – wenn nicht grösseren – Effekt auf die Fitness als ein paar Trainingseinheiten an einigen wenigen Tagen.

Spezielle Messungen

Zunehmend wird bei modernen Trackern auch mit HRV-Messung (Herzfrequenzvariabilität) oder z.B. mit SpO2 (zur Messung der Blutsauerstoffsättigung) gearbeitet.

Charge 3 SpO2 – Immer noch ungenutzt

Der Fitbit Charge 3 hat als “claim to fame”, dass er einen SpO2-Sensor eingebaut hat, der für Schlafapnoe-Messungen verwendet werden soll… dies aber noch immer nicht tut.

Vantage V HRV – Nur mit HR-Gurt

Ähnlich macht die Polar keine Messungen an HRV, ausser im orthostatischen Test (für den man einen Herzfrequenzgurt wie den Polar H10 oder eines der früheren Modelle derselben) braucht.

Dieser wird für die Recovery Pro-Funktion gebraucht, mit der man einen Hinweis darauf erhält, ob man (der HRV-Messung nach) erholt und bereit für das nächste Training ist.

24/7-Tracking

Die beiden Geräte, Fitbit Charge 3 und Polar Vantage V, habe ich an entgegengesetzten Handgelenken (nicht am selben) getragen, damit sie sich möglichst nicht in die Quere kommen.

(Trägt man mehrere Tracker oder ähnliches an einem Handgelenk, so ist eines an einer anderen Stelle als es sonst wäre, was die Herzfrequenzmessung ändern kann. Und die zwei Geräte am selben Handgelenk können gegeneinander schlagen, was die Schrittzählung verfälscht.)

Bei beiden, Fitbit Charge 3 wie Polar Vantage, lässt sich einstellen, ob man den Tracker bzw. die Uhr am rechten oder linken bzw. dominanten oder nicht-dominanten Arm trägt. Das dient dazu, falsche Schrittzählungen durch Armbewegungen zumindest etwas einzuschränken.

Schrittzählung

Die von Fitbit Charge 3 bzw. Polar Vantage V aufgezeichneten täglichen Schritte zeigen durchaus einige Diskrepanzen.

Bei aktiven Tagen mit 10.000-20.000 Schritten sind gut und gerne 2500 Schritte Unterschied (vom Durchschnitt) zu finden; die Trends allerdings passen zumindest sehr gut zusammen.

Polar Vantage V vs. Fitbit Charge 3: Schrittzählung
Polar Vantage V vs. Fitbit Charge 3: Schrittzählung (mit Trainingstagen, die nur mit der Polar Vantage V aufgezeichnet wurden)

Die grossen Unterschiede in der Schrittzählung hier, wo von der Polar Vantage V wesentlich mehr Schritte gezählt worden waren, sind nämlich an Trainingstagen.

An jenen Tagen (12, 19, 20 auf der x-Achse) hatte ich nämlich die Polar Vantage V zur Trainingsaufzeichnung mitgenommen (gemeinsam mit einer Suunto 9 Baro), aber *nicht* den Fitbit Charge 3.

Korrekterweise sollte ich den Vergleichsgraph also besser ohne diese Werte zeichnen:

Polar Vantage V vs. Fitbit Charge 3: Schrittzählung (ohne Trainingstage)
Polar Vantage V vs. Fitbit Charge 3: Schrittzählung (ohne Trainingstage)

Hier sieht man dann schöner, wie ähnlich die Aufzeichnung der Trendkurve nach ist – und wie unterschiedlich doch, wenn man auf die genauen Werte achtet.

Schlafaufzeichnung

Wer aktiv ist, der muss auch erholen. Vor allem also schlafen. Und von Geräten wie dem Fitbit Charge 3 und der Polar Vantage V eine Aufzeichnung davon haben, offenbar…

Polar Vantage V vs. Fitbit Charge 3: Schlafzeit-Tracking

Bei der Messung meiner Schlafdauer sind sich die beiden Geräte auch wieder im Trend relativ einig, in den Details allerdings nicht so sehr.

Diesmal ist es die Polar Vantage V, die fast immer etwas mehr gemessen zu haben glaubt als der Fitbit Charge 3 – und dabei sind gut und gerne Unterschiede von 20-60 Minuten zu finden.

Wie so oft bei solchen Daten ist es schwierig zu entscheiden, welche Resultate eher glaubwürdig sind.

Betrachte ich die Einschlaf- und Aufwachzeiten in den jeweiligen Apps, so finde ich diese durchaus glaubwürdig. Nur dummerweise allerdings in beiden Apps…

Kalorienverbrauch

Nicht nur wer aktiv ist, auch wer überhaupt lebendig ist, ‘verbraucht’ dafür Energie. Und so kommen wir bei Fitnesstrackern und Sportuhren zu deren Einschätzung des Kalorienverbrauchs über den Tagesverlauf…

Polar Vantage V vs. Fitbit Charge 3: Aufzeichnung/Einschätzung verbrauchter Kalorien
Polar Vantage V vs. Fitbit Charge 3: Aufzeichnung/Einschätzung verbrauchter Kalorien (auch hier wieder, inklusive Trainingstage, an denen nur die Polar zum Training getragen wurde)

Der Kalorienverbrauch steigt natürlich mit mehr Bewegung, wie sie etwa in der Form von Schritten gemessen wird. Das ist doch tatsächlich ein ganz guter Test, ob aufgezeichnete Daten zumindest logischen Sinn ergeben:

Scatter Plot von Schritten (x-Achse) gegen kcal (y-Achse)
Scatter Plot von Schritten (x-Achse) gegen kcal (y-Achse): Mehr Schritte bedeutet mehr Kalorien, das passt also.

Dementsprechend ergibt sich hier natürlich (im Vergleich der jeweiligen Kalorien”messungen”) ganz ähnliche Linien wie bei der Aufzeichnung der Schritte.

Insbesondere zeigt sich das bei den Tagen, wo ich mit der Polar Vantage V auch Training aufgezeichnet habe, mit dem Fitbit Charge 3 jedoch nicht. Hier gibt es wieder eine grössere Diskrepanz zwischen den verschiedenen Geräten; ansonsten zeigen sie wieder ähnliche Werte bzw., besser gesagt, passende Trends.

Ruhepuls

Die optische Herzfrequenzmessung nimmt nicht nur darum allmählich überhand, weil sie angenehmer und bequemer als die Pulsmessung per Brustgurt ist. Ein oHR-Sensor bietet auch die – und hier stimmt die Angenehmheit des Herangehens dann wirklich* – Möglichkeit, den Puls rund um die Uhr zu messen.

(*Beim Training erspart man sich den Pulsgurt schliesslich dadurch, dass man wesentlich schlechtere bzw. zweifelhaftere Herzfrequenzdaten in Kauf nimmt. Wir werden auch dies gleich mal wieder in einem neuen Blogpost bemerken müssen – und es war immer wieder schon zu sehen.)

Was einige Geräte, wie eben der Fitbit Charge 3 und die Polar Vantage V, damit machen, das sind zum einen Graphen des Pulses im Tagesverlauf, zum anderen Angaben zum Ruhepuls.

Was bitte ist der Ruhepuls?

Was genau dabei als Ruhepuls interpretiert wird, das ist nicht immer ganz klar: Ist es der niedrigste Puls des Tages? Der niedrigste Puls, der über einen bestimmten Zeitraum gehalten wurde?

Bei der Polar Vantage V wird jedenfalls zwischen einem niedrigsten (Ruhe)Puls unter Tag bzw. im Schlaf unterschieden… wobei ich öfter den niedrigsten Puls des Tages während des Einschlafens oder gleich nach dem Aufwachen (soweit die Uhr das registriert hat), zu haben scheine.

Screenshot aus Polar Flow App (mit niedrigstem Tages- bzw. Schlafpuls)
Wie zum Beispiel in diesem Screenshot aus der Polar Flow App
Polar Vantage V vs. Fitbit Charge 3: Tracking des Ruhepulses
Polar Vantage V vs. Fitbit Charge 3: Tracking des Ruhepulses

Mein Ruhepuls scheint hier nun, beiden Geräten zufolge, mit der Trainingsbelastung angestiegen zu sein, was durchaus Sinn macht.

Dass allerdings ein Unterschied von gut 10 Herzschlägen zwischen meinem Ruhepuls laut Polar Vantage bzw. laut Fitbit Charge 3 liegen soll, dass zeigt schon, welch unterschiedliche Messungen oder Algorithmen hinter einem so offensichtlichen Wert liegen.

Im Fall dieser Aufzeichnungen würde ich dazu neigen, dem Fitbit und seinen gleichmässigeren Werten eher zu vertrauen, zumindest wenn es mir darum geht, Trends festzustellen.

Eindrücke von der Ruhepuls-Messung

Eine Änderung des Ruhepulses macht ja oft dazu am meisten Sinn, daraus Hinweise auf eine mögliche beginnende Erkrankung oder Überbelastung zu ziehen (wodurch der Ruhepuls ansteigen würde).

Die stärkeren Schwankungen laut der Polar Vantage V-Aufzeichnung lassen eher (gerade auch im Vergleich zu deren Ruhepuls-Aufzeichnungen im Schlaf) vermuten, dass hier Messfehler irgendwelcher Art im Spiel gewesen sein könnten.

Es könnte aber natürlich auch sein, dass diese Werte eher der Wahrheit entsprechen, nur nicht über einen ausreichend langen Zeitraum gemittelt werden. Oder umgekehrt beim Fitbit Charge 3, über zu lange Zeit?

So oder so, die Unterschiede in den Daten von den zwei Geräten sind seltsam. Die Trendkurven von Fitbit Charge 3 wie auch zur niedrigsten Herzfrequenz während des Schlafs, wie die Polar Vantage V sie gemessen hat, sehen sinnvoll und nützlich aus.

Fazit

Einigermassen glaubwürdig, zumindest in den Trends, scheinen die Ergebnisse des Rund-um-die-Uhr-Trackings dieser wesentlichen, allgemeinen Daten zu sein.

Man kann daraus, wenn man sich näher damit beschäftigt, wohl seine Lehre ziehen – und dieselbe Lehre von Fitbit Charge 3 wie auch von Polar Vantage V.

So besonders exakt sind allerdings beide Geräte wohl nicht…

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