Natürlich ist ein WearOS-Gerät für Wanderungen problematisch, weil seine Batterielaufzeit nicht die längste sein wird.

China, wo viele Google-Dienste blockiert sind, hätte auch nicht gerade gut dafür sein sollen, mich WearOS mögen zu lassen – aber das war es, und insbesondere für die Suunto 7.

Der Grund? Mapbox-Landkarten am Handgelenk und die Heatmaps von Suunto.

Alpen-Wanderungen: Einfach

Wandern oder Trail-Laufen in einer Region wie den Alpen, mit einer Outdoor-Uhr als Navigationshilfe, ist üblicherweise einfach.

Viele der Trails, die man laufen könnte, sind auf Apps für die Routenplanung sichtbar und den Apps “bekannt”, so dass Routen leicht manuell oder sogar per automatischer Routenführung erstellt werden können.

Für viele Trails gibt es auch Beschreibungen und gpx zum Herunterladen und in Apps importieren, mit der Uhr synchronisieren und draussen dann folgen.

Man muss sich mancher Dinge natürlich bewusst sein, aber es ist üblicherweise einfach genug, alles zu planen.

Wandern in China: Kompliziert

In einem Land wie China, da sind die Dinge etwas komplizierter.

China ist sowieso nicht sehr erpicht darauf, dass GPS-Daten weitergegeben werden; Chinesen würden ihre Outdoor-Erlebnisse vielleicht auf sozialen Medien teilen, aber für die dafür verwendeten Apps reicht mein Chinesisch dann typischerweise doch nicht.

Nur wenige Leute, zumal die auf Englisch (geschweige denn Deutsch) schreiben, haben interessante Trails besucht, und schon gar nicht haben sie darüber auch online geschrieben. GPX zu zeigen und zu teilen, das ist schon überhaupt Fehlanzeige.

Beschreibungen und “Karten” von Touristenattraktionen und Wanderwegen sind typischerweise eher künstlerisch und fantasievoll als nützlich.

Google Maps, selbst wenn man sie überhaupt erreichen kann, folgt immer noch den chinesischen Regeln, die einen Offset von der Realität verlangt haben, so dass die Kartenansicht zwar Strassen und Wege und besondere Orte anzeigt, nur aber nicht an der realen Stelle.

Die Satellitenansicht zeigt Orte und Wege zwar an den richtigen Stellen, aber man kann sie erst recht nicht für viel Planung verwenden, da sie keine Strassennamen oder markante Orte benennt.

Der Vorteil von WearOS / Mapbox

Hier kommt WearOS ins Spiel.

WearOS Apps verwenden so gut wie immer – zumindest soweit ich das kenne – Mapbox als Landkarten-Provider… und ich liebe deren Landkarten.

Selbst in China werden hier die Strassen gut angezeigt; Orte und ihre Namen werden gut angezeigt; Topographie wird gut markiert. Und alles liegt in derselben Position wie in der Realität.

Typischerweise funktioniert auch die Synchronisierung von Kartendaten per Smartphone oder deren Download problemlos, ebenso wie jene für Offline-Landkarten.

Damit alleine kann man schon einmal seine aktuelle Lage und die Optionen, auf Trails weiter zu gehen, sehr gut herausfinden, selbst auf der Outdoor-Uhr, selbst auf einem Berg in China.

Viele Standard-Landkarten-Apps am Smartphone waren weniger nützlich. Die chinesischen sind meistens zu sehr auf urbane Areale fokussiert und bieten nur gute Autonavigation, helfen also wenig.

Viewranger, zum Beispiel, funktioniert immer noch gut. Die Landkarten sind gut und nutzbar.

Viewranger hat allerdings seine Probleme im Zusammenspiel mit WearOS-Geräten. Im Wesentlichen würde es gleichzeitige Navigation und Aufzeichnung nicht unterstützen – und natürlich hätte ich meine Daten ohnehin lieber von und im “Ökosystem” von Suunto (und würde auf dem WearOS-Gerät lieber keine zwei Apps gleichzeitig laufen lassen).

Die Alternative wäre, mit dem Smartphone zu navigieren, aber wenn ich irgendwo in den Bergen unterwegs bin, ziehe ich es vor, mit meiner Uhr statt mit dem Handy zu navigieren, wenn ich es nur irgendwie kann; dafür habe ich solche Uhren schliesslich.

Mit der Suunto 7 WearOS smartwatch wie auch der Suunto App kommt noch etwas ins Spiel: die Heatmaps.

Heatmap Entdeckungen

Suunto hat hier eine Funktion kreiert, wie man sie auch von Strava kennt, Heatmaps die anzeigen, wo die jeweiligen Nutzer am meisten unterwegs sind – nur dass Suunto das ohne das Drama geschafft hat, das sich bei Strava damit abgespielt hatte.

Diese Heatmaps haben sich für eine Situation wie jene in China, wo GPX der Route oder ähnliches nicht leicht zu finden sind, als wahrer Segen herausgestellt.

Seine eigene Position auf einer Landkarte an der richtigen Stelle angezeigt zu bekommen – wie eben auf Mapbox-Karten auf einer WearOS-Uhr – ist schon hilfreich.

Dazu noch sehen können, wo andere Leute entlang gelaufen sind, das ist, insbesondere ausserhalb von Städten (wo Heatmaps oft so ziemlich jede Strasse anzeigen) noch ein ganz anderes Niveau an Nutzen, wo es keine GPX von anderen oder Wanderkarten gibt.

Heatmaps-Ansicht in der Suunto App

Die Suunto App kann die Spuren der Heatmap auch anzeigen, wenn man eine Route erstellt. Seinen Weg zu planen (und für Uhren, die dies unterstützen, eine Route zur Navigation zu erstellen) funktioniert damit alleine schon sehr gut und unabhängig von dem Gerät, das man schlussendlich nützt.

Bei meinen Reisen in China war das oft fantastisch.

Mit Ausnahme der bekanntesten Touristenorte, die sogar internationale Reisende anlocken, hat man meist keine Ahnung, wohin Leute fahren – und selbst wenn man davon eine Ahnung hat, kennt man die tatsächlichen Trails noch immer nicht… siehe oben: es gibt keine sinnvollen Karten oder Beschreibungen.

Mit den Heatmaps war es eine spannende Sache – und eine wunderbare Funktion – auf der Landkarte herumzuschauen und den hellen Schein der früheren Trails anderer Leute zu sehen.

Oft genug fand ich erst, wenn ich dann nach den entsprechenden Orten schaute, interessante Plätze, von denen ich schon einmal gehört hatte, an deren Namen ich mich aber niemals einfach so erinnert hätte.

Die Suunto 7 bietet – zumindest noch (mal sehen, wohin Suunto sie in Zukunft entwickeln wird) – keine Routennavigation.

Die Heatmap-Ansicht auf der Suunto 7

Die Suunto 7 kann allerdings selbst auch schon Heatmaps anzeigen, genau so, wie sie auch die normale Mapbox-Karte anzeigen kann… und das alleine kann, wenn man auf neuen Pfaden unterwegs ist und sich fragt, wohin Leute davor gegangen waren, schon sehr hilfreich sein.

Nichts ausser WearOS bietet diese Funktionalität so gut. Ja, man bezahlt dafür mit kurzer Batterielaufzeit – aber das Leben ist ein Balanceakt. Technologie, nur umso mehr.