Die Meldung, dass Amer Sports sich von Suunto trennen wird, in dem die Firma an die chinesische Liesheng Technology verkauft wird, hat zu vielen Diskussionen geführt – und kommt ziemlich erwartet.

Aus meiner China-Erfahrung würde ich sagen, dass das ein Grund zur Hoffnung ist.

Amer Sports Veräusserung und Fokus

Amer Sports hat auch schon Precor (Hersteller von Trainingsgeräten) und Mavic (Radausrüstung) verkauft, um sich auf das Kerngeschäft mit Marken wie Salomon, Arc’teryx und Peak Performance zu konzentrieren.

Amer besitzt immer noch Marken / Unternehmen, die Ski und Baseballschläger herstellen. Der Schwerpunkt scheint allerdings immer mehr auf Schuhen und Outdoor-Bekleidung zu liegen.

Gerade Suunto scheint für die Gruppe ein Problemfall gewesen zu sein. Auch wenn Amer noch länger erklärt hatte, dass Consumer Electronics zu ihren Schwerpunkten zählen würden, so wurde doch wenig in den Bereich investiert – womöglich auch, weil man bereits Verkaufspläne hatte.

Chinesische Eigentümer

Amer Sports selbst ist bereits in chinesischer Hand; eine von Anta Sports, einem der grössten Sportbekleidungshersteller Chinas, geleitete Gruppe hat Amer 2019 übernommen.

Das könnte es natürlich leichter gemacht haben, Suunto zu verkaufen, insbesondere an ein anderes chinesisches Unternehmen, ich würde es allerdings eher als gutes Geschäftsgebaren sehen.

Und ich denke, dass das für Suunto gut sein wird.

Gründe, zu hoffen

Natürlich gibt es, wie immer wenn etwas chinesische Beteiligung hat, sofort Nörgler und Kritiker, die China und alles chinesische als schlecht ansehen.

Natürlich gibt es auch Dinge, die zu kritisieren sind. Die Beziehungen zwischen chinesischem Staat und chinesischen Unternehmen sind nicht gerade schwach; der Markt ist nur so frei, wie die Regierung ihn frei lässt, was nicht gerade sonderlich frei ist.

Regierung wie Unternehmen sind allerdings in meiner Erfahrung (von Jahren der Arbeit in China) immer mehr daran interessiert, intellektuelles Eigentum, Marken und Qualität zu besitzen und zu entwickeln.

(Und nein, nicht einmal die chinesische Regierung ist wahnsinnig interessiert an Fitnessdaten und Outdooraktivitäten von unbekannten Normalverbrauchern.)

Chinesische Qualität

Auch nur „chinesische Qualität“ zu tippen, fühlt sich komisch an. Die Situation ist allerdings so eine ähnliche wie die Szene in „Zurück in die Zukunft“ in der Doc Brown einen elektronischen Bauteil aus dem DeLorean zieht, „DAS ist das Problem!“ schreit – „da steht „Made in Japan!“.

Marty, verwundert: „Aber Doc, alle gute Elektronik kommt aus Japan!“

Liesheng Technology mit ihrer Marke Haylou sind nicht gerade die besondere High-Tech-Qualität und Marke/Firma, aber manche ihrer Produkte werden anscheinend mit Xiaomi-Branding weiter verkauft.

Diese sind auch nicht immer die besten, aber entwickeln sich rasant dahin. Und man kann an ihnen sehen, dass keine Furcht besteht, Neues zu probieren und iterativ weiter zu machen.

Selbst im Bereich der Bekleidung – man denke gerade an Arc’teryx und Veilance (so man letzteres kennt) – ist das Problem chinesischer Produktion eher, dass diese inzwischen hochentwickelt und dadurch teuer geworden ist, also nur noch für qualitativ hochwertige Produkte gut funktioniert.

Wer also ein Beispiel für chinesische Technologie braucht, sollte eher an DJI-Drohnen denken. Und Kameras. Und Gimbals.

Oder, wo unser Thema die Sporttechnologie ist…

Qualität und Entwicklung: Das Beispiel COROS

Wer überlegen will, was für Suunto (mit chinesischem Besitzer) möglich sein könnte, der sollte an COROS denken.: Ich hätte nie gedacht, dass ein Neuling in der Welt der GPS-Sportuhren reüssieren könnte.

Die erste Uhr von COROS, die Pace, war ganz nett, aber nicht wahnsinnig beeindruckend.

Die Outdoor-Abenteuer-Uhr VERTIX hat DC Rainmaker hauptsächlich dazu gebracht, einen Garmin fenix-Klon zu sehen.

Inzwischen gibt es eine VERTIX 2, eine Landkartenfunktion wurde doch auch auf die VERTIX gebracht, obwohl die Entwickler das selbst nicht für möglich gehalten hatten, es gibt das EvoLab und eine Web-Plattform für die Trainingsanalyse…

Die Entwicklung des Unternehmens, mit Hauptsitz in Kalifornien und engen Beziehungen nach (und natürlich, Produktion in) China war unglaublich schnell und gut.

Klar gab es Schwachstellen, zum Beispiel in Form schlechter Übersetzungen – aber die hat man von den etablierten Marktteilnehmern genauso gesehen.

Markenwert

Denkt man an die Kraft – im finanziellen Sinne wie in Bezug auf Programmierer – mit der ein chinesisches Unternehmen eine Marke wie Suunto pushen kann, zusammen mit dem rezenten Trend, dass chinesische Unternehmen etablierte, bekannte internationale Marken besitzen und erfolgreich machen wollen – dann habe ich, wie gesagt, Hoffnung für Suunto.

Suunto ist, meiner Meinung nach, grossartig darin geblieben, eine schöne Designsprache zu haben und Outdoor-Uhren zu machen, die ihre Nutzer ernst nehmen (als Leute, die wissen, was sie tun und nicht konstant am Händchen gehalten werden müssen).

Suunto hat es auch, immer noch, gewagt, besonderes zu probieren – man denke nur an die WearOS-Sport-Smartwatch, die Suunto 7.

(Und chinesische Unternehmen arbeiten immer noch mit WearOS, auch wenn Google eine Unternehmens-Persona non grata in China ist; das muss damit also nicht gestorben sein.)

Suunto hatte allerdings einen Mangel an Personal, v.a. Entwicklern, und wohl an finanzieller Unterstützung – was ein chinesischer Besitzer wohl ändern könnte.

Womöglich ist ein chinesischer Besitzer sogar weniger geneigt, mit der Marke zu stark zu interferieren, solange die Dinge ins Laufen kommen, als ein anderer.

Denkt etwa an Volvo.

Da bemerkt man den chineischen Eigentümer kaum, ausser darin, dass es der Marke jetzt besser geht.

Warten wir also ab, wie es mit Suunto weiter geht. Die Marke hat zumindest schon auf ihren Wurzeln beharrt und sich auch am chinesischen Markt als „Suunto“ statt mit einer Transliteration (oder gar einer Pseudo-Übersetzung des Namens, wie sie oft nicht sehr gut sind) präsentiert.